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Erinnerungskultur. Neuverhandlungen zwischen Theorie und Praxis - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer 51708
Semester SoSe 2015 SWS 2
Rhythmus keine Übernahme Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfrist Es findet keine Online-Belegung über AGNES statt!
Veranstaltungsformat keine Angabe

Termine

Gruppe 1
Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
Mo. 16:00 bis 18:00 wöch von 27.04.2015  Institutsgebäude - 211 Mohrenstraße 40/41 (MO 40) - (Unterrichtsraum)   findet statt    
Gruppe 1:
 


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Jacobeit, Sigrid , Prof. Dr.
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Bachelor of Arts  Europäische Ethnologie Beifach ( POVersion: 2007 )   -  
Bachelor of Arts  Europäische Ethnologie Kernfach ( POVersion: 2007 )   -  
Bachelor of Arts  Europäische Ethnologie Kernfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2014 )   -  
Bachelor of Arts  Europäische Ethnologie Zweitfach ( POVersion: 2007 )   -  
Bachelor of Arts  Europäische Ethnologie Zweitfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2014 )   -  
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Philosophische Fakultät, Institut für Europäische Ethnologie
Inhalt
Kommentar

Erinnerung/Erinnerungen ist ein Terminus, der uns in jüngster Zeit täglich beinahe aufdringlich begegnet. Alle Genres der Medien, Museen und Gedenkstätten, Landschaften, Orte, Räume, Denkmäler, Statuen nehmen Erinnerungen zum Anlass oder auf. Besonders die forcierte Erinnerung an den 1. Weltkrieg überall in Europa sowie der Fall der Mauer vor 25 Jahren hat das Jahr 2014 geradezu überflutet und zu einer Emsigkeit des Erinnerns auf unterschiedlichsten Ebenen mit unterschiedlichsten Ritualen und Emotionen geführt. Deren Bogen spannt sich von Trauer bis Freudenfest und Spektakel. Der Symbolik des Erinnerns sind keine Grenzen gesetzt. Sie haben sich 2014 zwischen „Ring der Erinnerung“, der am Soldatenfriedhof des 1. Weltkriegs in Notre-Dame-de-Lorette in Nordfrankreich Namen von 580.000 getöteten Soldaten verzeichnet, den

Hunderttausenden aus Keramik hergestellten roten Mohnblumen am Londoner Tower bis zum ersten Denkmal für eine Frau, für Lise Meitner, vor dem Hauptgebäude der HUB gezeigt. Und Stolpersteine, immer wieder sollen wir über sie stolpern, überall dort, wo jenes Haus stand oder steht, aus dem Jüdinnen und Juden deportiert wurden – 50.000 erinnern inzwischen in Deutschland an deren Namen. Mancherorts dürfen sie nicht sein. 2015 jährt sich das Ende des 2. Weltkriegs zum 70. mal.

An den Konzentrationslagerorten werden sehr alte Menschen aus der ganzen Welt den 70. Jahrestag der Befreiung als Begegnung der Generationen feiern wie an den Jahrestagen zuvor.

Im polnischen Danzig ist für das Jahr 2016 die Eröffnung des „Museums des Zweiten Weltkriegs“ geplant. Hier soll es um die Präsentation unterschiedlicher Erfahrungen und historischer Erinnerungen der Europäer gehen.

 

Parallel zu den vielfältigen Aktivitäten ist ein interdisziplinärer wie konfliktreicher Erinnerungsdiskurs zu verfolgen, der die bisherigen Praktiken in Frage stellt, von „postheroischer“ Erinnerungskultur wie „verletztem Gedächtnis“ spricht und meint, dass das Zeitalter der Weltkriege die europäische Erinnerungskultur fundamental verändert habe, die Schuld als Last der Vergangenheit abgegolten sei.  Und in die Zukunft gewandt meinen die Stimmen, Erinnerungskultur müsse (deshalb) theoretisch und praktisch neu verhandelt werden. Der Terminus Renovierung wird benutzt, der Generationenwechsel angemahnt. Zeitgleich ist eine zunehmend artikulierte Angst zu beobachten, die sich auf das Weggehen der Zeugen, damit den Verlust der Deutungsinstanz fokussiert und auf die vermeintlich nachfolgende Unsicherheit bei der pädagogisch-didaktischen Vermittlung.

 

Auf der Basis dieser konfliktträchtigen Entwicklungen wie aber zugleich der klassischen Schriften der Erinnerungsexpertinnen und –experten werden im Seminar Theorien und praktische Handlungen diskutiert. Das Seminar wird sich auf Erinnerungsorte innerhalb Berlins orientieren und eine Exkursion nach Weimar und Buchenwald einbeziehen wie in die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

 

 

 

 

Literatur

Konrad H. Jarausch/Martin Sabrow (Hg.), Verletztes Gedächtnis. Erinnerungskultur und Zeitgeschichte im Konflikt, Frankfurt am Main/New York 2002

Astrid Erl , Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskultur. Eine Einführung, Stuttgart 2005

Dieselbe, Cultural Memory Studies. An International and Interdisciplinary Handbook,

Berlin/New York  2008

Dana Giesecke/Harald Welzer, Das Menschenmögliche. Zur Renovierung der deutschen Erinnerungskultur, Hamburg 2012

Kirstin Frieden, Neuverhandlungen des Holocaust. Mediale Transformationen des Gedächtnisparadigmas, Bielefeld 2014

Bemerkung

Achtung geändert: Seminar findet erst ab dem 27. April statt!

Strukturbaum

Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SoSe 2015. Aktuelles Semester: SoSe 2020.
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