Was ist das Ziel von Wissenschaft, was treibt sie an? In einem berühmt gewordenen Vortrag von 1965 fragt der Psychoanalytiker Jacques Lacan nach dem Verhältnis von Wissen, Wissenschaft und Wahrheit, genauer dem Verhältnis szientifischer oder psychoanalytischer Wahrheit, soweit es dabei um den Menschen geht: „Es gibt keine Wissenschaft des Menschen, was etwa so aufzufassen ist wie: aus nichts wird nichts. Es gibt keine Wissenschaft des Menschen, weil es nur das Subjekt, nicht aber den Menschen der Wissenschaft gibt.“ Das Seminar unternimmt – unter Zuhilfenahme einiger weiterer Referenzen – ein Close Reading dieses dichten Textes und damit zugleich eine Einführung in das nichtklinische Werk Lacans als einer kulturanalytischen Basistheorie. Das Seminar richtet sich vornehmlich an Studierende mit bereits vorhandenem Grundwissen kultur- oder gesellschaftswissenschaftlicher Theorie. Vorausgesetzt wird die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme an der Diskussion und der Übernahme eines Kurzreferats (15 min).
Félix Guattari, Chaosmose, Wien: Turia+Kant 2012 (orig. 1992)Jacques Lacan, Schriften II, Weinheim/Berlin: Quadruga 1991 (orig. 1966).Jacques Lacan, Die Ethik der Psychoanalyse (Seminar VII), Weinheim/Berlin 1995 (orig. 1986)Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, Salzburg 2016–18 (orig. 1930 ff). Isabelle Stengers, Wem dient die Wissenschaft?, München 1998 (orig. 1997)Paul Valéry, Monsieur Teste, Frankfurt am Main 1995 (u.ö.) (orig. 1946).
Zwei LP = aktive Teilnahme inkl. Kurzreferat, drei LP = aktive Teilnahme inkl. Kurzreferat plus schriftliche Ausarbeitung (6-8 Seiten). Für vier oder fünf LP ist eine eigenständige Hausarbeit im Umfang von 10-12 Seiten über ein zu definierendes Thema notwendig.
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