| Kommentar |
Bilder des Krieges dokumentieren nicht einfach Realität – sie operieren als Instrumente der Macht, „rahmen“ Kriege (Butler 2009), konstruieren Wahrheiten, formen politische Narrative und erzeugen Affekte. Oft in imperialistischen, patriarchalen oder propagandistischen Traditionen verankert, ästhetisieren oder distanzieren sie Gewalt und tragen zu sogenannten „ikonischen Kriegen“ (Terry Smith 2022) bei, in denen Bilder selbst zu Waffen werden (Klonk & Eder 2016). In der digitalen, von Krisen geprägten Gegenwart verstärken algorithmische Logiken und Desinformationskampagnen diese Dynamik, indem sie Authentizität infrage stellen und die Grenze zwischen Kritik und Manipulation verwischen.
Das Seminar fragt daher, wie künstlerische Gegen-Bilder in diese visuelle Ökonomie eingreifen und welche ästhetischen wie politischen Strategien sie für eine Neuperspektivierung von Konflikten eröffnen. Im Zentrum stehen künstlerische Praktiken, die hegemoniale Bildordnungen subversiv umschreiben: von dokumentarisch-fiktionalen und spekulativen Ansätzen (z.B. Yael Bartana, Rabih Mroué) über investigative Bildkritik (z.B. Forensic Architecture, Mykola Ridnyi) bis hin zu partizipativen, kollektiven Verfahren (z.B. Bouchra Khalili, Alfredo Jaar).
Auf dieser Basis lernen die Studierenden zu beschreiben, wie Kriegsbilder Wahrnehmung strukturieren, zu analysieren, wie künstlerische Arbeiten diese Mechanismen unterlaufen, und zu diskutieren, welche politischen und ethischen Implikationen damit verbunden sind. Sie werden angeregt, theoretische Positionen miteinander zu vergleichen und eigene Fragestellungen zu entwickeln, die Kunst, Medien und Gewalt kritisch miteinander in Beziehung setzen.
Das Seminar verbindet ausgewählte Lektüren (s.u.), Fallstudien, Gruppenarbeit und Diskussionen mit praxisnahen Einblicken: Exkursionen zu Ausstellungen sowie Vorträge eingeladener Künstler*innen ergänzen die theoretische Auseinandersetzung. In den Sitzungen erhalten die Studierenden so einen strukturierten Überblick über ein zentrales Feld aktueller Kunst- und Medienkritik. |
| Literatur |
• Agostinho, Daniela; Gade, Solveig; Thylstrup, Nanna Bonde; Veel, Kristin (Hgs.) “(W)archives,” Berlin: Sternberg Press, 2024. • Azoulay, Ariella Asha." “The Civil Contract of Photography”, Princeton University Press, 2008. • Butler, Judith. “Frames of War: When Is Life Grievable?,” London: Verso, 2009. • Holert, Tom. “Epistemic Violence and the Careful Photograph.” e-flux journal 96 (January 2019). • Khatib, Lina. “Image Politics in the Middle East: The Role of the Visual in Political Struggle.” London/New York: I.B. Tauris, 2013. • Klonk, Charlotte. Image Operations: Visual Media and Political Conflict, in: “Images of Terror: Contemporary Photography and the Politics of the Visual” (Eder, Jens & Klonk, Charlotte Hgs.) Manchester University Press, 2016. • Sontag, Susan. “Regarding the Pain of Others.” New York: Farrar, Straus and Giroux, 2003. https://monoskop.org/images/a/a6/Sontag_Susan_2003_Regarding_the_Pain_of_Others.pdf • Steyerl, Hito. “The Wretched of the Screen.” Berlin: Sternberg Press, 2014. • Toukan, Oraib. 2019. “Toward a More Navigable Field.” E-Flux Journal, no. 101 (June). https://www.e-flux.com/journal/101/272916/toward-a-more-navigable-field/ • Yaqub, Nadia, Hg. “Gaza on Screen.” Durham, NC: Duke University Press, 2023. |