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Ver-Rückte Räume– Psychiatrie Erfahrene in Neukölln - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Studienprojekt Veranstaltungsnummer 51728
Semester SoSe 2010 SWS 4
Rhythmus keine Übernahme Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfrist Es findet keine Online-Belegung über AGNES statt!
Veranstaltungsformat Präsenz

Termine

Gruppe 1
Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
Do. 12:00 bis 16:00 wöch 22.04.2010 bis 15.07.2010  Institutsgebäude - 212 Mohrenstraße 40/41 (MO 40) - (Unterrichtsraum)   findet statt    
Gruppe 1:
 


Zugeordnete Personen
Zugeordnete Personen Zuständigkeit
Klausner, Martina , Dr.
Niewöhner, Jörg , Prof. Dr.
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Master of Arts  Europäische Ethnologie Hauptfach ( POVersion: 2005 )   -  
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Philosophische Fakultät, Institut für Europäische Ethnologie
Inhalt
Kommentar

Dieses zweisemestrige Studienprojekt für MA Studierende untersucht am Beispiel Berlin Neukölln mittels ethnographischer Methoden den Alltag von Psychiatrie Erfahrenen.

Unter Betroffenen wie auch in der psychiatrischen Versorgung ist es ein bekanntes Problem, dass die Diagnose "psychisch krank" bzw. ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung häufig problematische Auswirkungen hat: Betroffene treten ein in eine Art Parallelwelt aus betreutem Wohnen, gesonderten Arbeitsstätten und fortlaufender psychiatrischer Behandlung. Durch vielfältige Ausgrenzungsmechanismen werden sie häufig sozial isoliert und finden nur selten wieder Anschluss an 'normalen' gesellschaftlichen Alltag. Stigmatisierung und die Produktion von Abhängigkeiten sind die Folge.

 

Dieses Studienprojekt nähert sich dieser Problematik aus zwei verschiedenen Richtungen: (1) In einem wissensanthropologischen Zugang nutzen wir das Konzept des Looping (I. Hacking), um zu ergründen, wie eine Diagnose Alltag und Selbstverständnis von Betroffenen beeinflusst und umgekehrt. Unsere These: Diagnosen tragen zu bestimmten Verhaltensweisen bei, die diese Diagnosen wiederum erhärten. Wie genau dies von statten geht und welche Rolle dabei soziokulturelle Faktoren, wie z.B. sozioökonomischer Status oder Migrationshintergrund spielen werden wir empirisch untersuchen. Dazu werden wir sowohl mit Experten wie Betroffenen und deren Angehörigen Interviews führen, als auch Alltage ethnographisch beobachten. (2) Unsere zweite Stoßrichtung gründet auf Ansätze der Stadtanthropologie und arbeitet mit dem Konzept des Raumes. Raum ist in der Anthropologie weder ein rein geographischer noch ein rein struktureller Begriff. Raum bezeichnet vielmehr die spezifische aber immer im Wandel begriffene Ordnung von sozialer Praxis. Wir werden verschiedene Raumkonzepte verwenden, um auf der Basis ethnographischer Arbeit zu untersuchen, wie genau sich die Ausgrenzung von Psychiatrie Erfahrenen vollzieht. Werden parallele Räume etabliert? Warum und wie werden diese abgegrenzt? Wie lassen sich solche Grenzen überschreiten?

Die ethnographische Arbeit wird vornehmlich in so genannten komplementären Einrichtungen der psychiatrischen Versorgung im Berliner Stadtteil Neukölln stattfinden, d.h. teilnehmende Beobachtung in betreuten Wohneinrichtungen, in Werkstätten und anderen Arbeitsformaten. Von dort aus wird auch die Möglichkeit bestehen, über Wahrnehmungsspaziergänge, Kartierungsverfahren und Interviewmethoden die Alltage von Betroffenen besser zu verstehen. Das Studienprojekt wird von Anfang eng mit Praktiker_innen aus den relevanten Feldern zusammenarbeiten. Hinzu kommen Experteninterviews in relevanten Abteilungen von Verwaltung und Krankenkassen, die einen wesentlichen Anteil an der derzeitigen Konfiguration haben. Bei Interesse kann ebenfalls ein Zugang zur psychiatrischen Forschung an der Charité Universitätsmedizin Berlin ermöglicht werden, um mehr über aktuelle diagnostische Techniken und Wissensbestände zu erfahren. Klinische Beobachtung ist aufgrund der Sensibilität des Feldes erst von Promotionsvorhaben aufwärts möglich.

Das Projekt wird in Anlehnung an ein Forschungsprojekt am Institut für Europäische Ethnologie durchgeführt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und sich mit der Rolle von Chronizität in der psychiatrischen Forschung beschäftigt. Zugang zu den relevanten Feldern, enge Betreuung und Möglichkeiten der Projekterweiterung in Richtung Masterarbeit sind daher gegeben.
Literatur

•         Diprose, R., Robin Ferrell, Hg. 1991. Cartographies. Poststructuralism and the mapping of bodies and spaces. North Sidney: Allen & Unwin

•         Featherstone, M., Scott Lash: (1995): »Globalization, Modernity and the Spatialization of Social Theory: An Introduction«. In: Scott Lash Mike Featherstone, Roland Robertson, Global Modernities, London, Thousand Oaks, New Delhi Sage, S. 1–24.

•         Foucault, M. (1999): »Spaces and Classes«. In: Colin Samson, Health Studies. A Critical and Cross-Cultural Reader, Oxford: Blackwell Publishers, S. 22-35.

•         Hacking, I. (1986): »Making up people«. In: Sosna and Wellberry Weller, Autonomy, Individuality, and the Self in Western Thought, Stanford: Standford Univerisity Press, S. 161-171.

•         Hacking, I. (2006): »Kinds of People: Moving Targets«. British Academy Lecture 10, S. 1- 18.

•        Law, J./Mol, A. (2001): »Situating technoscience: an inquiry into spatialities«. Environment and Planning D-Society & Space 19, S. 609-621.

•         Matthiesen, U. (2006): »Wissensmilieus – zwischen Place, Space und Medien«. In: Claudius Terkowsky (Hg.) Manfred Faßler, Urban Fictions. Die Zukunft des Städtischen, München: Fink, S. 265–289.

•        Vock, R./Zaumseil, M./Zimmermann, R. B./Manderla, S., Hgs. 2007. Mit der Diagnose "chronisch psychisch krank" ins Pflegeheim? Eine Untersuchung der Situation in Berlin. Frankfurt/M: Mabuse Verlag. 469 pp.

•         Wohlfart, E./Zaumseil, M. (2006): »Transkulturelle Psychiatrie - interkulturelle Psychotherapie : interdisziplinäre Theorie und Praxis«. S. XVII, 434 S.

 

Strukturbaum

Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SoSe 2010. Aktuelles Semester: WiSe 2020/21.
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