| Kommentar |
Mit dem Lorax von Dr. Seuss beginnt ab Anfang der 1970er Jahre eine Figur zu zirkulieren, die die ökokritischen Diskurse in der Literatur, aber auch der Populärkultur prägt. Dies zeigt sich etwa im gleichnamigen Animationsfilm von 2012 (R: Chris Renaud, Kyle Balda), in dem eine durch kapitalistische Interessen abgeholzte und zerstörte Welt durch das Pflanzen von Bäumen gerettet werden soll. Eine Kritik am Umgang mit der Ressource Wald formuliert ebenso Ursula K. Le Guin in ihrem dystopischen Roman The word for world is forest (1972): Die Geschichte erzählt vom Volk der Hain, das einen fernen Planeten kolonisiert, deren Bewohner:innen versklavt und den Rohstoff Holz für seine Zwecke extrahiert, da es auf der Erde ein knappes Gut geworden ist.
Das Master-Seminar nimmt Seuss‘ und Le Guins Erzählungen zum Ausgangspunkt, um zu untersuchen, welche Wissensbestände kulturelle Produktionen mobilisieren, um mit Bäumen zu denken. Zahlreiche Romane wie auch Filme (u.a. Avatar, 2009) positionieren sich zu den ökologischen, klimatischen und damit verbundenen politischen Krisen, die durch ressourcenintensive (post)imperiale Wirtschaftssysteme hervorgerufen werden. Deren extraktivistische Praktiken gefährden indigene Lebensräume, wie z.B. die Filme von Alanis Obomsawin demonstrieren. Anhand dieses Materials, das gegenwärtig verstärkt von den Environmental Humanities und Plant Studies bearbeitet wird, werden wir Imaginationen von Natur, die Verhältnisse von Natur und Kultur sowie auch Fragen eines beschädigten Planeten (Anna Tsing) und seiner ruinierten Landschaften diskutieren.
Das Seminar wird einen asynchronen, schreibpraktischen Teil als Teilnahmeleistung beinhalten: Zu einem der diskutierten Filme und Romane werden Sie eine Rezension verfassen (800-1000 Wörter) und dazu Feedback erhalten.
---------------------------------------------
Romane und Non-Fiction (vorläufige Auswahl)
- Anonym (2020): Das Sägewerk. Berlin: Wagenbach (Wagenbachs andere Taschenbücher, 832).
- Geisel, Theodor Seuss (1971): The Lorax. New York: Random House.
- Le Guin, Ursula K. (2010): The word for world is forest. New York: TOR.
- Le Guin, Ursula K. (1976): Direction of the Road. In: Ursula K. Le Guin (Hg.): The wind's twelve quarters. Short stories. Toronto: Bantam Books.
- Powers, Richard (2018): The overstory. London: William Heinemann.
- Proulx, Annie (2016): Barkskins. New York: Scribner.
- Tenharim, Madarejúwa; Fischermann, Thomas (2018): Der letzte Herr des Waldes. Ein Indianerkrieger aus dem Amazonas erzählt vom Kampf gegen die Zerstörung seiner Heimat und von den Geistern des Urwalds. München: C.H.Beck.
Filme (vorläufige Auswahl)
|
| Literatur |
Eine vollständige Literaturliste wird zu Beginn des Semesters ausgegeben.
- Dürbeck, Gabriele; Stobbe, Urte (Hg.) (2015): Ecocriticism. Eine Einführung. Köln, Weimar, Wien: Böhlau Verlag (Böhlau Studien Bücher).
- Heise, Ursula K. (2017): Introduction. planet, species, justice-and the stories we tell about them. In: Ursula K. Heise, Jon Christensen und Michelle Niemann (Hg.): The Routledge companion to the environmental humanities. London, New York: Routledge Taylor & Francis Group (Routledge Companions), S. 1–10.
- Stobbe, Urte (2019): Plant Studies: Pflanzen kulturwissenschaftlich erforschen – Grundlagen, Tendenzen, Perspektiven. In: Kulturwissenschaftliche Zeitschrift4 (1), S. 91–106.
|