Was können wir über die Geschichte und die Gegenwart Europas aus einer postkolonialen Perspektive lernen? Wie ist die Geschichte und Gegenwart Deutschlands mit dem europäischen Kolonialismus verflochten? Und wie wirken diese Kolonialgeschichten bis heute weiter - etwa in den Auseinandersetzungen an Europas Grenzen oder in umkämpften Erinnerungskulturen?
Diesen Fragen geht das Seminar in einem ersten Teil nach. Es liefert einen Überblick zu Ansätzen der postkolonialen Studien, mit denen europäische Dimensionen des kolonialen Projekts beleuchtet werden. Der Fokus liegt hierbei auf einer Perspektive konstitutiver Verflechtungen zwischen "Metropole" und "Kolonie", die Europa seither als Produzentin und als Produkt globaler Machtverhältnisse immer wieder neu hervorbringen und auch in Frage stellen.
Der zweite Teil des Seminars ist aktuellen Forschungsfeldern gewidmet, in denen europäisch-ethnologisch und kulturwissenschaftlich ausgerichtete postkoloniale Perspektiven zum Einsatz kommen: zum einen in der Forschung im Berliner Lautarchiv (Irene Hilden), das u.a. Stimmen kolonialisierter Subjekte versammelt, die bspw. während des Ersten Weltkriegs in deutschen Kriegsgefangenenlagern oder bei so genannten "Völkerschauen" in Berlin aufgenommen wurden; zum anderen in der Forschung zu den visuellen Politiken an den Grenzen Europas (Anouk Madörin), die auf eine Geschichte kolonialer Überwachungstechniken verweisen. Dabei wird es auch um methodische und methodologische Fragen von Sound und Visual Studies sowie Archiv- und Sammlungsforschung gehen. Bereitschaft zu einem hohen Lesepensum ist vorausgesetzt.
In dieser Lehrveranstaltung wird keine MAP abgenommen! |