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Das erschöpfte Selbst zwischen melancolia, acedia und burnout – Vom traurig-trägen Gemüt zur Kultur der Selbsthilfe - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer 532876
Semester SoSe 2018 SWS 2
Rhythmus keine Übernahme Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfrist Es findet keine Online-Belegung über AGNES statt!

Termine

Gruppe 1 iCalendar Export iCalendar Export
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
iCalendar Export Mo. 12:00 bis 14:00 wöch 16.04.2018 bis 16.07.2018 
Einzeltermine anzeigen
Pergamonpalais - 0.10 Georgenstraße 47 (GEO 47) - (Unterrichtsraum)   findet statt     25
Gruppe 1:
 


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Bruns, Claudia , Prof. Dr.
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Master of Arts  Kulturwissenschaft Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2014 )   -  
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Kulturwissenschaft
Inhalt
Kommentar

Erklärte die antike Viersäftelehre die „melancholia“ als einen Überschuss an schwarzer, verbrannter Galle, so ist der Begriff heute teils in psychopathologische Diagnosen (wie etwa „endogene Depression“) transformiert worden. Im Protestantismus des 16. Jahrhunderts galt die Melancholie als eine Versuchung des Teufels, die der Gläubige wie eine Prüfung bestehen müsse. Die „acedia“ hingegen – eine Art „trauriger Trägheit“ vor großen Anforderungen (die als von Gott kommend interpretiert wurden) – erklärte man zu einer der sieben Hauptlaster. Sie konnte zur schweren Sünde werden, wenn sie dazu führte, wichtige Verpflichtungen zu vernachlässigen. Man galt als vom „Dämon des Mittags“ heimgesucht. Die Normen der Arbeitsgesellschaft setzten sich in der kapitalistischen Moderne schließlich soweit durch, dass der Sozialist Paul Lafargue gar das „Recht auf Faulheit“ proklamierte, um auf „eine seltsame Sucht“ aufmerksam zu machen: „Es ist die Liebe zur Arbeit, die rasende, bis zur Erschöpfung der Individuen gehende Arbeitssucht.“ – Der/die Burnout-Patient/in fügt sich als modernes Glied in die historische Kette trauriger Melancholiker, die nunmehr nicht nur ‚leistungsunfähig‘ sondern paradoxerweise zugleich ‚arbeitssüchtig‘ sind. Dabei ist auch er/sie „nicht bloß ein medizinischer Fall, sondern vor allem eine Sozialfigur“, so Ulrich Bröckling. Schließlich kehrt man „aus der Burnout-Klinik nicht mit der Kündigung in der Hand zurück, sondern mit den Selbsttechniken nachhaltigen Ressourcenmanagements“. Mithilfe historischer wie aktueller Text-, Bild- und Filmquellen folgt das Seminar den Spuren der Erschöpfung einer sich neoliberal transformierenden Leistungsgesellschaft.  

Die Veranstaltung beginnt am 23.4.

Literatur
  • Klibansky, E. Panofsky, F. Saxl: Saturn und Melancholie – Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst. Frankfurt am Main 1990
  • W. Post: Acedia – Das Laster der Trägheit. Zur Geschichte der siebten Todsünde. Freiburg im Breisgau 2011
  • Illouz: Die Errettung der modernen Seele. Therapien, Gefühle und die Kultur der Selbsthilfe, Frankf./M. 2011
  • Neckel / Wagner, G. (Hg.): Leistung und Erschöpfung. Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft, Frankf./M. 2013
Bemerkung

Die Veranstaltung beginnt am 23.4.

Prüfung

Hausarbeit, mündliche Prüfung

Strukturbaum

Die Veranstaltung wurde 8 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2018 gefunden:

Humboldt-Universität zu Berlin | Unter den Linden 6 | D-10099 Berlin