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Work, space, body, landscape: Postsozialistische Ethnographie und Performanceforschung im Oderbruch - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Studienprojekt Veranstaltungsnummer 51723
Semester SoSe 2017 SWS 4
Rhythmus keine Übernahme Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfrist Es findet keine Online-Belegung über AGNES statt!

Termine

Gruppe 1 iCalendar Export iCalendar Export
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
iCalendar Export Do. 10:00 bis 14:00 wöch von 20.04.2017 
Einzeltermine anzeigen
    findet statt    
Gruppe 1:
 


Zugeordnete Personen
Zugeordnete Personen Zuständigkeit
Hetzer, Maria , Dr.
Scholze-Irrlitz, Leonore , PD Dr.
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Master of Arts  Europäische Ethnologie Hauptfach ( POVersion: 2008 )   -  
Master of Arts  Europäische Ethnologie Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2014 )   -  
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Philosophische Fakultät, Institut für Europäische Ethnologie
Inhalt
Kommentar

Muster-LPG, sozialistisches Dorfmodell, Ökodorf, Landkommunen – Brandenburg hat eine reiche Tradition an Experimenten für ein „besseres Leben“. Dementsprechend liest sich auch die Geschichte der letzten hundert Jahre wie ein Krimi. Sie zeigt die rasante und radikale Umgestaltung der Eigentums- und Lebensverhältnisse. Und wieder steht die Frage: Wem gehört das Land? Der Streit um die Gestaltung der Commons ist mit den aktuellen landgrabbing-Debatten neu entfacht.

Gleichzeitig ist der ländliche Raum verstärkt zu einer Projektionsfläche städtischer Sehnsüchte nach einem anderen, „besseren Leben“ geworden. Es zeigt sich, das Dorf wird in der Stadt erfunden. Städtische Vorstellungen vom Landleben als naturnah, überschaubar und direkt gestaltbar, von funktionierenden Gemeinschaften und kurzen Wegen kollidieren jedoch oft mit der Alltagserfahrung der Bewohner. So zeigen sich Land und Dorf entgegen der Vorstellung von einer geschlossenen Gesellschaft eher als Transitzonen von Menschen und Ideen.

Besonders im Oderbruch, das einen Brennpunkt der Migration bis in die Gegenwart darstellt, lassen sich die Konsequenzen der Performanz kultureller und sozialer Diversität und die daraus entstehenden Ambivalenzen gut studieren. Ein gesellschaftliches „Experimentierfeld“ mit seinen Aushandlungsprozessen um soziale und ökologische Nachhaltigkeit rückt damit in den Mittelpunkt ethnologischer Forschung. Im Studienprojekt wenden wir uns den gesellschaftlichen Umbrüchen nach 1945 und 1989 und ihren Konsequenzen zu, dokumentieren daraus resultierende gegenwärtige Raum- und Alltagspraktiken und ihre Begründungen aus der Erfahrung der Akteure. Die Forschung im Feld (z. B. durch Interviews, teilnehmende Beobachtung, Surveys, Mapping, Archivarbeit) soll dabei nicht nur aktuelles Datenmaterial zum Alltag und seiner Wahrnehmung durch die jeweiligen Akteure produzieren. Vielmehr werden verschiedene ethnologische Forschungsmethoden eingeübt und im Feld auf ihre Wirksamkeit und Grenzen hin getestet.

Eine besondere Bedeutung werden wir dabei dem Studium des Körpers und der Person des Forschenden als einem entscheidendem Instrument bei der Gestaltung eines Forschungsprojektes und -feldes zukommen lassen. Embodiment, somatic experience und walking as performance sind nur einige Konzepte, in denen sich die Auseinandersetzung mit dem Körper als Instrument zur Datenerhebung und -interpretation widerspiegelt. Außerdem werden wir mit aktuellen Ansätzen der kulturanthropologischen Performance-Forschung in einer Serie von Feldstudien experimentieren und die praktischen Konsequenzen der Performanz von Gender, Milieu, Habitus etc. für die Wissensproduktion herausarbeiten. Bei der Erarbeitung der individuellen empirischen Skizzen spielen schließlich die Entwicklung eines Forschungsdesigns und das wissenschaftliche Schreiben sowie die Übung unterschiedlicher Feedbackmethoden eine Rolle. Wir berücksichtigen dabei gern die speziellen Interessen der Teilnehmenden bei einer eventuellen Vorbereitung ihrer Masterarbeit. Außerdem finden ausgewählte Seminarsitzungen in Englisch statt, um den Teilnehmenden zu ermöglichen, ihr Wissenschaftsenglisch zu trainieren.

 

Der Laborcharakter des Studienforschungsprojektes wird durch die Aufbereitung der Forschungsergebnisse unterstrichen: Die beiden Lehrenden unterstützen die Teilnehmenden einerseits bei der Produktion kreativer Formate wie z. B. Film, Radiofeature, App, Performance oder Ausstellung. Andererseits werden die Abschlussarbeiten in Zusammenarbeit mit der Werkstatt für ländliche Kultur Altranft präsentiert, einem der derzeitig wichtigsten Modellprojekte (TRAFO) der Kulturstiftung des Bundes zur Zukunft des Museums im 21. Jahrhundert.

 

Vorausgesetzt wird:

  • Bereitschaft zu Reisen und Feldforschung vor Ort (flexibel und individuell abstimmbar, Kosten werden teilweise übernommen)
  • Offenheit für historisches Arbeiten in Archiven ebenso wie für experimentelle Arbeit an performance-basierten Fragestellungen

 

Literatur

Bendix, Regina: "Was über das Auge hinausgeht: Zur Rolle der Sinne in der ethnographischen Forschung." Schweizerisches Archiv für Volkskunde 102 (2006): 71-84.

Hetzer, Maria; Meyer-Renschhausen, Elisabeth; Scholze-Irrlitz, Leonore et al.: "Transitzone Dorf – Ein Ort zwischen Bodenreform und Kollektivierung", Berlin 2015.

Lund, Katrín Anna and Karl Benediktsson: "Introduction: Starting a conversation with landscape." Benediktsson, Karl and Katrín Anna Lund (eds.): Conversations with landscape, Routledge (2010): 1-12.

Scholze-Irrlitz, Leonore: Erfahrung und soziale Teilhabe – Ethnologische Perspektiven auf den Konflikt um nachhaltige Formen der Landnutzung. In: Kost, Susanne; Schönwald, Antje: Landschaftswandel – Wandel von Machtstrukturen. (= Reihe: RaumFragen: Stadt – Region – Landschaft), Wiesbaden 2014: 165-180.

Spry, Tami: "A 'performative-I' copresence: Embodying the ethnographic turn in performance and the performative turn in ethnography." Text and Performance Quarterly 26.4 (2006): 339-346.

Bemerkung

Die Lehrveranstaltung findet im Raum 107a, Mohrenstraße 41 statt.

Strukturbaum

Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SoSe 2017. Aktuelles Semester: WiSe 2017/18.
Humboldt-Universität zu Berlin | Unter den Linden 6 | D-10099 Berlin