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Wissen und Macht: Theorie, Ideengeschichte und Praxis der Politikberatung - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Projektseminar Veranstaltungsnummer 53102
Semester WiSe 2015/16 SWS 4
Rhythmus Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
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Termine

Gruppe 1 iCalendar Export iCalendar Export
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
iCalendar Export Mi. 08:30 bis 12:00 wöch
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Institutsgebäude - 005 Universitätsstraße 3b (UNI 3) - (Unterrichtsraum)   findet statt     25
Gruppe 1:
Zur Zeit keine Belegung möglich


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Wassermann, Felix , Dr. phil. verantwortlich
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Master of Arts  Sozialwissenschaften Hauptfach ( POVersion: 2006 )   20  -  
Master of Arts  Sozialwissenschaften Hauptfach ( POVersion: 2011 )   20  -  
Master of Arts  Sozialwissenschaften Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2014 )   20  -  
Programmstud.-o.Abschl.MA  Sozialwissenschaften Programm ( POVersion: 1999 )   20  -  
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Sozialwissenschaften
Inhalt
Kommentar

Wo immer politische Entscheidungen getroffen werden, bieten politische Berater ihr Wissen an. Die Entscheidungsträger kritisieren dieses Wissen nicht selten als „zu theoretisch“ und „praxisfern“. Die Ratgeber beklagen ihrerseits die „Beratungsresistenz“ der „machtfixierten“ Politik. Die deliberierende Öffentlichkeit wiederum schwankt zwischen dem Ruf nach einer „wohlberatenen Politik“ und der Warnung vor dem „illegitimen“ Einfluss der beratenden „Lobbyisten“. So in etwa stellt sich das problematische Kommunikationsverhältnis zwischen wissenschaftlichen Experten, demokratischen Politikern und öffentlichen Beobachtern dar, wie es die jüngere sozialwissenschaftliche Politikberatungsforschung beschreibt.
In dem zweisemestrigen Projektseminar wählen wir einen anderen Zugang, um uns der Problematik der Politikberatung im Spannungsfeld zwischen Wissen und Macht zu nähern. Statt die Diskussion von vornherein auf die wissenschaftliche Expertise in der modernen Demokratie unter Bedingungen der öffentlichen Deliberation zu konzentrieren, fragen wir mit weitem historischem und kulturellem Blick, wie das Problem des politischen Rats in unterschiedlichen Wissenskontexten, Politik- und Machtkonstellationen theoretisch perspektiviert und praktisch bearbeitet wurde und wird. Im Schnittfeld von politischer Theorie und Ideengeschichte, Wissenssoziologie und Wissensgeschichte stellen wir hierzu folgende Forschungsfragen:
Auf welches – wissenschaftliche oder nicht-wissenschaftliche – Wissen stützen sich potentielle politische Berater, um ihren Beratungsanspruch zu legitimieren? Mit welchen rhetorischen, medialen und performativen Strategien versuchen sie sich und ihren Ratschlägen im Wettstreit mit Beratungskonkurrenten Gehör zu verschaffen? Wie wählen, umgekehrt betrachtet, die politischen Entscheidungsträger die „richtigen“ Berater, Wissensformen und Ratschläge aus? Auf welche Weise schließlich finden solche Probleme des Ratgebens und Ratnehmens ihren Niederschlag in der politischen Theorie und Ideengeschichte – und wie können die entsprechenden theoretischen und historischen Erfahrungen im Umgang mit dem politischen Rat dazu beitragen, gegenwärtige Probleme der Politikberatung besser zu verstehen?
Im ersten Teil des Seminars widmen wir uns im Wintersemester 2015/16 der intensiven Lektüre und textnahen Diskussion ausgewählter Beiträge zu einer – noch nicht geschriebenen – politischen Ideengeschichte des politischen Rats. Von besonderem Interesse sind für uns solche Autoren, die nicht nur denkend den Problemen des politischen Rats nachgingen, sondern auch (in unterschiedlichem Maße) selbst beratend in die politikpraktischen Auseinandersetzungen ihrer Zeiten zu intervenieren versuchten. Hierzu könnten etwa zählen: Platon, Xenophon, Isokrates, Ibn Khaldun, Erasmus, Machiavelli, Morus, Bacon, Hobbes, Weber, Schmitt, Arendt, Hennis, Foucault, Dahrendorf, Habermas, Bourdieu, Walzer, Mouffe und andere. Die anspruchsvolle hermeneutische Aufgabe für unser Seminar wird darin bestehen, die Beratungskonzeptionen dieser und/oder weiterer Autoren nicht allein werksimmanent und ideengeschichtlich, sondern zugleich historisch und biographisch zu kontextualisieren, um so das Beratungs- und Selbstverständnis der politischen Beratungstheoretiker mit ihrer eigenen Beratungspraxis zu kontrastieren.
Der zweite Teil des Seminars im Sommersemester 2016 wird der Diskussion der eigenen Forschungsprojekte dienen, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter Rückgriff auf die bis dahin diskutierten Ansätze und mittels vertiefender Text- und Materialrecherchen selbständig entwickeln und in Fallstudien bearbeiten. Die allgemeine Forschungshypothese des Seminars lautet dabei, dass moderne und gegenwärtige Probleme des (Beratungs-)Verhältnisses zwischen Wissen und Macht im Lichte der (Ideen-)Geschichte des politischen Rats besser verstanden werden können – und sei es, indem man sie davon abgrenzt. Wenn wir also im Seminar nicht allein und nicht vorrangig wissenschaftliche Experten in der modernen Demokratie unter Bedingungen der öffentlichen Deliberation fokussieren, so geraten auch andere Politikberater-Figuren in den Blick, die sich womöglich nie ganz aus der Politik verabschiedet haben und bis heute in immer neuen Gewändern auftreten, um ihr spezifisches Beratungswissen in den Politikprozess einzuspeisen: Freunde, Verwandte und Geliebte von Entscheidungsträgern, Propheten, Orakelpriester und Beichtväter, elder statesmen, Dichter und Hofnarren.
Das Ziel des Projektseminars besteht also darin, eine (ideen-)geschichtlich und wissenssoziologisch geweitete Perspektive zu eröffnen, die ein umfassendes Verständnis der Theorie, Ideengeschichte und Praxis politischer Beratung erlaubt. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Seminar die Bereitschaft zur intensiven Lektüre, textnahen Diskussion sowie historisch-biographischen Einordnung teils längerer politiktheoretischer und ideengeschichtlicher Primärtexte voraus, ebenso wie das Interesse am kreativen Weiterentwickeln der vorgefundenen Politikberatungs-Konzeptionen. Die aktive Mitgestaltung des Forschungsprogramms und der einzelnen Sitzungen wird im Sinne eines Forschungsseminars erwartet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten Gelegenheit, ihre Überlegungen im Seminar zu präsentieren, um sie anschließend in zwei Studien schriftlich auszuarbeiten: im ersten Seminarteil in einer politiktheoretisch-ideengeschichtlichen Untersuchung zu einer ausgewählten Politikberatungs-Konzeption (ggf. unter Einbezug der Politikberatungs-Praxis des behandelten Autors); im zweiten Seminarteil in einer vertiefenden Fallstudie zu einer eigenen – theoretischen, ideengeschichtlichen, historischen oder empirischen – Problemstellung aus dem thematischen Kontext des Seminars.

 

Literatur

Stefan Fisch (Hg.): Experten und Politik. Wissenschaftliche Politikberatung in geschichtlicher Perspektive, (Schriftenreihe der Hochschule Speyer; 168), Berlin 2004: Duncker & Humblot.

Herbert Goldhamer: The adviser, New York 1978: Elsevier.

Jürgen Habermas: „Verwissenschaftlichte Politik und öffentliche Meinung“, in: ders., Technik und Wissenschaft als ‚Ideologie‘“, Frankfurt a. M. 1969: Suhrkamp, S. 120-145.

Heidelberger Akademie der Wissenschaften (Hg.): Politikberatung in Deutschland, Wiesbaden 2006: VS Verlag.

Arnold Meltsner: Rules for rulers. The politics of advice, Philadelphia 1990: Temple University Press.

Carl Schmitt: Gespräch über die Macht und den Zugang zum Machthaber. Mit einem Nachwort des Herausgebers Gerd Giesler, 2. Aufl., Stuttgart 2012: Klett-Cotta.

Peter Weingart: „Wissen und Macht – Zum Verhältnis von Wissenschaft und Politik“, in: ders., Wissenschaftssoziologie, Bielefeld 2003: transcript Verlag, S. 89-102.

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Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester WiSe 2015/16. Aktuelles Semester: WiSe 2019/20.
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