Im Zuge der Populismusdiskussion und dem Erstarken von Bewegungen und Parteien am äußeren rechten Rand des politischen Spektrums wurde die Frage laut, ob linke Analysen und Politikstrategien die ökonomische Ungleichheit im Kapitalismus vernachlässigt hätten. „Klasse“ als Analyse- und Mobilisierungskategorie sei zugunsten von Identitätskategorien in den Hintergrund getreten, deren Ziel nicht der Umsturz kapitalistischer Verhältnisse sei, sondern die Anerkennung von differenten Lebensstilen.
Aufbauend auf einer theoretischen Einführung zum Thema wollen wir Fragen zu „Klasse“ und „Armut“ empirisch am Beispiel von Ernährungsstilen und Ernährungspolitiken vertieft diskutieren. Ausgangspunkt ist die real steigende Zahl von Menschen, die „Ernährungsarmut“ erfahren sowie die dadurch erstarkende Debatte um „Ernährungsarmut“ im wissenschaftlichen und aktivistischen Kontext. Was sind die Ursachen und Verstärker dieser Entwicklung? In diesem Zusammenhang werfen wir einen kritischen Blick auf das Forschungsfeld und den Diskurs. Beispielsweise wollen wir diskutieren, warum das Thema des ungleichen und prekären Zugangs zu Nahrungsmitteln lange in den Globalen Süden verwiesen wurde, die Vergeschlechtlichung von „Ernährungsarmut“ häufig unsichtbar bleibt und sich bestimmte Stigmata gegenüber armutsbetroffenen Personen vehement halten, zum Beispiel in Bezug auf ihr Umwelthandeln und -engagement.
Abschließend wird erörtert, welche Infrastrukturen und Räume der Daseinsvorsorge nötig sind, um das Menschenrecht auf Nahrung zu realisieren.
M4 + M6: Portfolio
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