| Kommentar |
Das Griechische ist uns aus der archaischen und klassischen Zeit in mehreren Varietäten (Dialekten) überliefert. Bei vielen Autoren, insbesondere bei Dichtern, war die Mischung verschiedener Varietäten ein wichtiges formbildendes Prinzip. Die Varietätenmischung geschah jedoch auch in der gesprochenen Sprache, und das Ausmaß dieser Prozesse nahm in der hellenistischen Zeit drastisch zu. Die Betrachtung dieser Phänomene sowohl in der Antike als auch in der Neuzeit ist eng verbunden mit den Konzepten von Prestige, Norm, Identität und Sprachideal u. ä. – und sicherlich spiegelt die Sprachgeschichte die Einstellungen und Gewohnheiten der Sprecher selbst wider.
In diesem Kurs widmen wir uns vorwiegend den nicht-literarischen Sprachformen der hellenistischen Zeit. Wir verschaffen uns einen Überblick über die Entstehung der Koine, ihre Ausbreitung in griechische und fremde Territorien sowie über die damit verbundenen Prozesse, insbesondere die Konkurrenz zwischen den lokalen Sprachformen und der Koine. Diese Konkurrenz fand sowohl in den neu entstehenden gemischten Kanzleisprachen als auch im weniger formalen Sprachgebrauch ihren Ausdruck. Der Veranschaulichung dieser Prozesse dienen Inschriftenlektüren.
Literatur: Albert Debrunner. Geschichte der griechischen Sprache II, Grundfragen und Grundzüge des nachklassischen Griechisch. 2. Aufl. Bearb. von Anton Scherer. Berlin 1969, 24-47; Geoffrey Horrocks. Greek: A History of the Language and Its Speakers. 2nd edn. Oxford 2010, 73-96; Sophie Minon. Dialectal Convergence // Encyclopedia of Ancient Greek Language and Linguistics. Ed. Georgios Giannakis. Brill 2014, 454-457. |