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(Wohlfahrts)Staatlichkeit, Alterssicherung und der Umgang mit sozialen Risiken im 19. und 20. Jahrhundert - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Forschungsseminar Veranstaltungsnummer 51498
Semester WiSe 2019/20 SWS 2
Rhythmus keine Übernahme Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfristen - Eine Belegung ist online erforderlich Zentrale Frist    01.07.2019 - 09.10.2019   
Zentrale Nachfrist    14.10.2019 - 17.10.2019   

Termine

Gruppe 1 iCalendar Export iCalendar Export
  Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
iCalendar Export Mo. 10:00 bis 12:00 wöch von 21.10.2019 
Einzeltermine anzeigen
Institutsgebäude - 5061 Friedrichstraße 191 (FRS191) - (Büroraume m.expr.Arb.platz)   findet statt     20
Gruppe 1:
Zur Zeit keine Belegung möglich


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Wieters, Heike
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Programmstud.-o.Abschl.MA  Geschichte Programm ( POVersion: 1999 )     -  
Master of Arts  Geschichtswissenschaften Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2016 )     -  
Master of Arts  Geschichtswissenschaften Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2017 )     -  
Master of Arts  Geschichtswissenschaften Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2018 )     -  
Master of Arts  Mod. Europ. Geschichte Hauptfach ( Vertiefung: kein LA; POVersion: 2014 )     -  
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Philosophische Fakultät, Institut für Geschichtswissenschaften
Inhalt
Kommentar

„Gestorben wird immer“, dieser Merkspruch gilt nicht nur für Bestattungsunternehmen, sondern auch für Lebensversicherer, Rentenkassen und soziale Vorsorgeinstitutionen. Die Frage wie, wann und unter welchen Bedingungen gestorben wird, beschäftigt Menschen seit jeher; zumal deshalb, weil vor dem Tod zumeist das „Alter“ steht, eine Phase eingeschränkter Produktivität und abnehmender körperlicher und geistiger Leistungskraft, die in den meisten Fällen mit dem Rückzug vom offiziellen Arbeitsmarkt einhergeht.  Alle westlichen Gesellschaften haben daher Normen und individuelle Verhaltensregeln sowie vielfältige Institutionen herausgebildet, die diese (und andere) Risiken des Lebens abmildern, die Phase des Alterns vorbereiten und alte Menschen finanziell und sozial unterstützen. Irgendwann ‚in Rente zu gehen‘ bzw. Rentner zu sein erscheint heute als selbstverständliche, ja fast zwangsläufige Etappe im Leben der allermeisten Bürgerinnen und Bürger.

Tatsächlich sind staatliche Wohlfahrtsinstitutionen jedoch vergleichsweise junge „Erfindungen“.  Die Sozialfigur des 'Rentners' etwa entstand erst im Verlauf des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Auch die heute verbreitete Vorstellung, dass Vorsorge für und Hilfe im Alter nicht nur eine individuelle, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, ist keinesfalls selbstverständlich.  Vor dem 20. Jahrhundert übernahmen vor allem private Akteure, Familienangehörige, Genossenschaften, Kirchen, gewerkschaftliche und zünftische Kassen oder auch kommerzielle Lebensversicherer die zentrale (Vor-)Sorge für hilfsbedürftige Menschen. Seit der Einführung staatlicher Sicherungssysteme komplementierten und konkurrierten diese privaten Akteure mit den staatlichen Sicherungsinstitutionen und sorgen für einen dynamischen „Wohlfahrtsmix“ in diesem Bereich. Spätestens seit den 1970er Jahren, im Kontext zunehmenden staatlichen Rückbaus, haben kommerzielle Lebensversicherer und private Träger wieder deutlich an Boden gewonnen. Wohlfahrt und soziale Sicherheit werden damit (erneut und) zunehmend zu Bereichen, die Marktlogiken und -dynamiken unterworfen sind.  Stichworte wie Altersarmut, Versorgungslücke oder Überalterung prägen den öffentlichen Diskurs und haben zu einer Renaissance privater Vorsorge und individueller Verantwortung für den eigenen Lebensabend geführt.

Ausgehend von diesen Befunden werden im Seminar Herausbildung, Konkurrenz und Wandel moderner (Alters-)Sicherungssysteme in Deutschland und Europa in den Blick genommen. Der Fokus liegt sowohl auf Entstehung, Wandel und Pfadabhängigkeiten staatlicher Vorsorgeinstitutionen als auch auf den Dynamiken und Innovationszyklen privater Lebensversicherer und Wohlfahrtsanbieter. Wir blicken auf das Zusammenspiel privater und staatlicher Akteure im Feld der Alterssicherung, analysieren Entstehung und Wandel moderner Wohlfahrtsmärkte und blicken schließlich auch auf individuelle Vorsorgestrategien, gesellschaftliche Normen und die lange Karriere des „Spargedankens“ in Deutschland und Europa.

Literatur

Berner, Frank, Der hybride Sozialstaat: die Neuordnung von öffentlich und privat in der sozialen Sicherung, Frankfurt a. M. 2011.

Blackburn, Robin. Banking on Death Or, Investing in Life. The History and Future of Pensions, London 2002.

Bode, Ingo, Disorganisierter Wohlfahrtskapitalismus: Die Reorganisation des Sozialsektors in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, Wiesbaden 2004.

Borscheid, Peter, Mit Sicherheit leben. Zur Geschichte und Gegenwart des Versicherungswesens, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 7 (2010), H. 2, URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2010/id=4422, Druckausgabe: S. 188-202.

Clark, Gordon L. Pension Fund Capitalism, New York 2000.

Conrad, Christoph, Vom Greis zum Rentner. Der Strukturwandel des Alters in Deutschland zwischen 1830 und 1930, Göttingen 1992.

Glootz, Tanja Anette, Alterssicherung im Europäischen Wohlfahrtsstaat. Etappen ihrer Entwicklung, Frankfurt a. M 2005.

Hockerts, Hans Günter, Der deutsche Sozialstaat. Entfaltung und Gefährdung seit 1945, Göttingen 2011.

Kott, Sandrine, Sozialstaat und Gesellschaft. Das Deutsche Kaiserreich in Europa, Göttingen 2014.

Schmähl, Winfried, Alterssicherungspolitik in Deutschland, Vorgeschichte und Entwicklung von 1945 bis 1998, Tübingen 2018.

Torp, Cornelius, Gerechtigkeit im Wohlfahrtsstaat, Göttingen 2015

Bemerkung

Ausgleichsberechtigte Studierende wenden sich zur bevorzugten Platzvergabe per E-Mail mit einem Nachweis der Ausgleichsberechtigung an die Studienkoordinationsstelle Geschichte. Ausschlussfrist für die Geltendmachung von Ausgleichsberechtigungen ist der letzte Tag der zentralen Frist, 16 Uhr. Textnachrichten in AGNES werden hingegen nicht gelesen!

Strukturbaum

Die Veranstaltung wurde 6 mal im Vorlesungsverzeichnis WiSe 2019/20 gefunden:

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