| Kommentar |
Wenngleich für das Verhältnis zwischen Israel und den Vereinten Nationen gegenwärtig ein historischer Tiefpunkt diagnostiziert wird, war die Beziehung zwischen dem jüdischen Staat und der UNO seit ihren Anfängen nicht frei von Komplikationen. Zwar verdankte Israel seine Entstehung und internationale Anerkennung nicht zuletzt jenem Momentum des Novembers 1947, als die internationale Staatengemeinschaft mit dem Beschluss zur Teilung Palästinas den Weg zur Gründung des jüdischen Staats ebnete, bevor Israel zwei Jahre später selbst Mitglied der UNO wurde. Doch waren es Kontroversen über den israelisch-palästinensischen Konflikt, in denen sich die zunehmend nach-kolonial geprägten Vereinten Nationen wiederkehrend in Gegensatz zu Israel positionierten, um in der Resolution 3379 vom November 1975 ihre Zuspitzung zu erleben. Im Rahmen des Seminars wollen wir uns dieser wechselhaften Beziehung aus unterschiedlichen Perspektiven annähern. Von den Erfahrungen jüdischer Völkerrechtler ausgehend und angesichts des Zivilisationsbruchs (Dan Diner), werden wir einerseits nach dem sich wandelnden Vertrauen in internationale Organisationen und Völkerrecht fragen, und dabei auch dem Gegensatz zwischen (vorstaatlicher) jüdischer Diasporapolitik und israelischer Staatsräson diskutieren. Andererseits werden wir auf der Grundlage neuer Publikationen unterschiedliche Bemühungen der Vereinten Nationen thematisieren, regulierend und politisierend in den israelisch-palästinensischen Konflikt einzugreifen. |
| Literatur |
- Yfaat Weiss, Verfehlte Mission. Das geteilte Jerusalem und die Vereinten Nationen, Berlin 2025.
- James Loeffler, Rooted Cosmopolitans: Jews and Human Rights in the Twentieth Century, New Haven, Conn.: Yale University Press, 2018
- Rotem Giladi, Jews, Sovereignty, and International Law: Ideology and Ambivalence in Early Israeli Legal Diplomacy, Oxford 2021. |