| Kommentar |
In diesem Blockseminar, das Studierende der HU Berlin sowie der Uni Potsdam zusammenbringt, und gemeinsam mit Prof. Dr. Jenny Haase (Uni Potsdam) veranstaltet wird, widmen wir uns dem Werk der chilenischen Gegenwartskünstlerin Cecilia Vicuña (*1948). Ziel des transdisziplinär ausgerichteten Seminars soll es sein, die multiplen Vernetzungen von Performance-Kunst, Schamanismus und Poesie in Vicuñas Werk aus einer kulturwissenschaftlichen, literaturwissenschaftlichen und gendertheoretischen Perspektive nachzuzeichnen. Hierzu werden uns mit der kreativen Spannung von Oralität und Visualität befassen, die sich in diversen hybriden, künstlerischen Formen bei Cecilia Vicuña zeigt, denn Poesie ist bei ihr viel mehr als geschriebenes Wort: In Vicuñas oralen wie visuellen Performances öffnen Atem, Rhythmus und schamanischer Gesang Räume der Resonanz, Schwingung und des Erfahrens von Klangkraftfeldern. In ihnen verwebt sich Textiles mit Textualität zu transgenerationalen Fädenverbindungen, die weit zurückführen in vorkoloniale Zeiten, zu verdrängtem indigenem, schamanischem Wissen und indigenen Sprachen (u.a. Quechua und Mapuche), in die Geographie der Anden sowie die Geschichte Chiles.
Um einige dieser Fäden in ihrer Komplexität näher zu betrachten, sollen u.a. Vicuñas „precarios“ (kleine Objekte aus Resten, Weggeworfenem), ihre Arbeit mit „quipus“ (Knotenschnursysteme der Inka, die der Memorisierung dienten) z.B. in Form der „quipoems“, dem „quipu mapocho“ oder dem „quipu menstrual (la sangre de los glaciares)“, Videoprojekte wie „SemiYa/Seed Song“, die „PALABRARmas“ (Wort-Waffen als Formen des künstlerisch-aktivistischen Widerstands gegen die Ausbeutung der Erde) sowie polyphone Poem-Zeichen-Gebilde wie „Instan“ (später als „I tu“ veröffentlicht) und „Red Thread“ Teil des Seminars sein.
Aus der Analyse des Werkes heraus wird es nicht zuletzt darum gehen, Vicuña in Dichtung und Feminismus Lateinamerikas zu verorten: als dekoloniale, schamanistische, ökofeministische Dichterin, die in ihren multilingualen Textinstallationen und Performances zahlreiche Bezüge eröffnet (z.B. dichterisch zu Gabriela Mistral, Pablo Neruda, Nicanor Parra; ökofeministisch/ökokritisch z.B. zu Marisol de la Cadena, Camila Marambio oder Giuliana Furci, und künstlerisch z.B. zu Ana Mendieta und Regina José Galindo).
Zentrale Themen des Seminars werden u.a. sein: Mensch-Natur-Verhältnis, Erinnerung, (Öko)Feminismus, Materialität, Praxis und Ethik der Verbindung, Dekolonialität, orale Epistemologien, Ethnopoetik, languaging, Fragen der Stimme und des embodiment, Vulnerabilität, Menstruation, transgenerationale Traumata, Kollektivität
Blocksitzungen:
- Freitag, 17.4.26: 12-14 Uhr: Kennenlernen, Organisation (Zoom) - Freitag, 8.5.26: 10-14 Uhr: Person, Kontext, Werk, wichtige Begriffe (Zoom) - Freitag, 19.6.26: 10-18 Uhr, Block 1 (Uni Potsam) - Freitag, 10.7.26: 10-18 Uhr, Block 2 (HU Berlin)
Neben den Blocksitzungen ist eine Veranstaltung mit dem Museum Barberini in Potsdam geplant. |