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In diesem Seminar möchte ich mit den Studierenden eine Auswahl literarischer und theoretischer Texte sowie visueller und künstlerischer Perspektiven lesen, betrachten und diskutieren – mit einem besonderen Fokus auf queere, diverse und mehrfach marginalisierte Positionen. Inhaltlich geht es mir zum einen darum, zentrale Begriffe und Ankerpunkte aus der queeren, antirassistischen und dekolonialen Theorie zu vermitteln. Anhand von Grundlagentexten der Geschlechterforschung und antirassistischen Literatur – etwa von Audre Lorde, José Esteban Muñoz, Johanna Schaffer und Sara Ahmed – werden wir gemeinsam ein Vokabular erarbeiten, das Begriffe wie Sichtbarkeit, Opazität, Closet, Authentizität, Ambivalenz, Performativität und viele weitere umfasst. Zum anderen ist es mein Ziel, mit den Studierenden die Materialität des Schreibens zu untersuchen und verschiedene Herangehensweisen praktisch zu erproben (u. a. anhand von Texten von Sara Ahmed und Dragica Rajčić). Ein weiterer zentraler Aspekt wird die Verbindung zwischen theoretischen Texten und künstlerischen bzw. performativen Positionen sein – und die Frage, wie sich diese Felder gegenseitig beeinflussen. Hierbei werden unter anderem Texte von José Esteban Muñoz, Jack Halberstam und Antke Engel eine Rolle spielen. Dabei werde ich intersektionale Aspekte aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten, indem ich Positionen nebeneinanderstelle, die den Kanon herausfordern – etwa den Text Queer Silence von Jonathan D. Katz über queere Abstraktion in den 1950er Jahren in den USA sowie die Arbeiten des australischen First-Nation-Künstlers D. Harding, they ebenfalls mit Abstraktion arbeitet. Schließlich interessiert mich die Performativität von Sprache und Text – insbesondere dort, wo sich die Komplexitäten von Identität und Lebensrealitäten ausdrücken. Texte von Gloria Anzaldúa zeigen beispielhaft, wie Sprache zu einem Raum der Vielstimmigkeit wird, in dem verschiedene Zugehörigkeiten, Brüche und Widerstände sichtbar werden. Literarische Texte und Essays, die stark mit visuellen Bildern arbeiten – etwa von Ocean Vuong, Enis Maci und auch meine eigenen Texte – werden hier als Beispiele dienen. Ich greife die zentrale Fragestellung aus dem früheren Seminar erneut auf: Inwiefern wirkt sich die gesellschaftliche Positionierung (biografisch sowie politisch) auf die Poetiken und künstlerischen Methoden mehrfach marginalisierter Kulturschaffender aus? Wie lassen sich die methodischen und ästhetischen Herangehensweisen entwickeln, die jenseits von Quotierungen agieren und kreativ mit Identitätspolitiken umgehen. Als Schreibende werde ich gemeinsam mit den Studierenden auch die Entstehungsgeschichten meiner eigenen autoethnografisch positionierten Texte offenlegen und in Form einer kreativen Schreibwerkstatt dazu anregen, jenseits klassischer wissenschaftlicher Formen zu schreiben.
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