Eine der wohl einflussreichsten Theorietraditionen des Westens ist die Theorie des Gesellschaftsvertrags, die insbesondere seit der Neuzeit im politischen Denken präsent ist. In ihrem Mittelpunkt steht eine Begründung des modernen Staats. Klassische Theoretiker, wie Thomas Hobbes, John Locke, Jean-Jacques Rousseau oder Immanuel Kant, interpretieren dabei die (moderne) gesellschaftliche Ordnung als eine Art Vertrag. Durch den Vertragsschluss wird eine vorstaatliche Situation, der sogenannte Naturzustand, durch den Staat abgelöst. Die verschiedenen Ansätze variieren dabei stark mit Blick auf die genaue Ausgestaltung von Naturzustand und Vertragsschluss. Das Seminar setzt sich in der ersten Hälfte mit diesen verschiedenen Konzeptionen auseinander. Hieran anschließend wollen wir uns auch den Kritiker:innen eines solchen Denkens zuwenden. Bereits in den 1960er Jahren hat C.B. Macpherson argumentiert, dass dieses Denken bestimmte Klassenverhältnisse reproduziert. Carole Pateman wies auf den patriarchalen Charakter dieses Denkens hin, während Charles C. Mills argumentierte, dass sich im Vertragsdenken eine Begründung weißer Vorherrschaft finde. In den letzten Jahren sind zudem Stimmen laut geworden, die auch ökologische Fragen mit den Diskussionen um die Vertragstheorien verbinden.
Lehrperson: simon.clemens@hu-berlin.de
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