Aktuelle Raum- und Zeitangaben bitte im Originaleintrag 532810 prüfen
Europas Außengrenzen gehören inzwischen zu den tödlichsten Grenzen der Welt. Aus dem Mittelmeer als antikem Raum vielfältiger transkultureller Konflikte und Verbindungen ist ein Massengrab geworden. Auf den „langen Sommer der Migration“ 2015 folgte ein „tiefer migrationspolitischer Winter“, der Rechtsverstöße und Grenzgewalt normalisiert hat. Überdies tragen verschärfte Grenzpolitiken die autoritär-rechte Wende in Europa voran. Der Grenze als „Sortiermaschine“ (Mau) der „Migrationssteuerung“ kommt inzwischen auch eine neue Bedeutung als „Produzentin rechtspopulistischer Ideologieproduktion“ zu (Hess). – Wie konnte es dazu kommen? Was macht Europas „Kollektivkörper“ aus, wie konstituierte er sich historisch, welche Prozesse legitimieren und konstituieren physisch wie symbolisch dessen Grenzziehungen? Gab es auch Zeiten, in denen die Welt ohne harte Grenzziehungen auskam? Die Weltkarten des Mittelalters etwa verzichteten auf lineare Grenzziehungen zwischen den Kontinenten.
In einem Bogen von der Antike bis zur Gegenwart fragt die Vorlesung danach, auf welche Weise sich europäische Grenz- und Raumformationen mit Figurationen von geschlechtlicher, religiöser und (proto)rassistischer Differenz verbanden. Ausgangspunkt ist u.a. der Befund, dass der Körper ein zentraler Ort gesellschaftlicher und politischer Aushandlungsprozesse ist. Zwischen physischem, sozialem und symbolischen Körper findet ein ständiger Austausch von Bedeutungsgehalten statt: insofern „gehören die Grenzen des Körpers dem Selbst niemals voll und ganz“ (Butler). Die Vorlesung führt anhand ausgewählter historischer Quellen (Bilder, Texte, Karten) in eine intersektional und postkolonial angelegte Körper- und Geschlechtergeschichte der Grenz-/Differenzforschung ein.
ohne MAP
Die Veranstaltung wurde 2 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2026 gefunden: