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Der Wald ist für die meisten der Inbegriff von Natur. Scheinbar unwandelbar symbolisiert der Wald die „wilde“ Gegenwelt zur „Zivilisation“, markiert er die äußere Begrenzung des Geltungsbereichs von Kultur. Und doch sind Naturorte immer auch Orte sozialer Verkörperungen: Der undurchdringliche, sumpfige Wald galt lange als weiblich codierter Raum von „Hexen“. Der deutsche Wald repräsentierte aber auch das nationale Kollektiv: Der Jäger als (kolonial/nationale) Figur der Männlichkeit tritt in ihm als Instanz der Kontrolle, Beruhigung und Ermächtigung auf und löst nach 1945 den „soldatischen Mann“ ab, dessen „Zähmung“ er zugleich repräsentiert.
In der Gegenwart verkörpern Bilder brennender „Urwälder“ die Konflikte um Extraktivismus, Kolonialismus und Neoliberalismus; verweisen auf eine menschengemachte Apokalypse, die überdies das hoch emotionale und dennoch kolonialistische menschliche Verhältnis zu „Wildtieren“ berührt. Auch die sog. „Schädlingsbekämpfung“ im Wald ist ein Ort des Politischen, indem bestimmt wird, wer in den Wald (bzw. die Nation) eindringen darf und wer zu den „Feinden“ zählt. In ähnlicher Weise überträgt die Unterscheidung zwischen „Heimischem“ und das „Artfremdem“ rassistische Stereotype auf Naturphänomene. – Im Seminar gehen wir somit den vielen sich im Laufe der Geschichte stark verändernden „Bild- und Erfahrungsräumen“, Symbolpolitiken und Phantasmen nach, die das Natur/Kulturphänomen „Wald“ umgeben. Es geht um eine Geschichte „der Natur“ die sich als eine Geschichte „der Kultur“ lesen lässt, welche zu einer kritischen Reflexion unserer Beziehung zur Natur und eines allzu simplen Bildes, das wir uns von der Natur/Kultur-Differenz machen, einlädt.
MA M3 + M5: Hausarbeit, mündlich
Die Veranstaltung wurde 2 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2026 gefunden: