Jürgen Habermas’ „Theorie des kommunikativen Handelns“ zählt zu den einflussreichsten gesellschafts- und politiktheoretischen Entwürfen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und hat Debatten über Rationalität, Demokratie und gesellschaftliche Integration nachhaltig geprägt. Mit dem Konzept kommunikativer Rationalität, der Analyse sprachlicher Verständigungsprozesse sowie der Unterscheidung von Lebenswelt und System entwickelt Habermas eine Theorie, die moderne Gesellschaften zugleich erklärt und kritisch befragt. Im Seminar setzen wir im Stil eines „close reading“ an zentralen Passagen des Werks an und rekonstruieren schrittweise die Argumentationsgänge, Grundbegriffe und normativen Implikationen. Dabei diskutieren wir insbesondere die Diagnose der „Kolonialisierung der Lebenswelt“, die Rolle von Recht und Öffentlichkeit sowie die Spannung zwischen Verständigung und strategischem Handeln. Gerade angesichts von Polarisierung, Technokratisierung und Legitimationskrisen lohnt es, Habermas’ Theorie auf ihre analytischen Potentiale und ihre Grenzen hin zu prüfen. Vorausgesetzt wird die Bereitschaft zur intensiven Lektüre. Im Seminar kommen kurze Impulsreferate, Protokolle sowie kleinere Essays (in-house) zum Einsatz.
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