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Die Vorlesung untersucht die kommunikative Dimension von Materialität sowie ihre Fähigkeit, das Göttliche und das Sakrale zu vermitteln. Außerdem wird die materielle Interagency in religiösen Praxiswelten betrachtet, die sich im Rahmen einer pluralen und polyzentrischen Produktion des globalen Christentums entfalten, die ihrerseits eng mit imperialen und kolonialen Dynamiken verflochten ist.
„Dissonant Objects“ fungiert dabei als analytische Kategorie, um die vielfältigen Diskontinuitäten zu erfassen, die Objekte in Raum und Zeit verkörpern und reaktualisieren. Diese Kategorie wird derzeit im Rahmen des Forschungsprojekts Mapping Dissonant Objects in interdisziplinärer Perspektive neu bestimmt (siehe auch das Seminar Dissonante Objekte und christliche materielle Kulturen: Interdisziplinäre Einblicke aus Berliner Sammlungen. Ein Projektseminar); die Vorlesung begleitet diesen Prozess konzeptionell.
Im Rahmen des Kurses wird die kommunikative Dimension von „Dissonant Objects“ anhand der vielfältigen Interdependenzen und Interaktionen zwischen christlichen Objekten und materiellen Vermittlern des Sakralen in anderen religiösen Vorstellungswelten untersucht. Ziel ist es, eine „kontextuelle“ Perspektive einzunehmen, die über starre disziplinäre Trennungen hinausgeht und die kommunikativen Dynamiken von Objekten in Prozessen von Monopolisierung und Widerstand, kreativer Aneignung, asymmetrischer Aushandlung, Verschiebung, Begegnung, Spannung und Anpassung analysiert.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem material engagement von Missionaren und der Objekttheologie als Handlungs- und Transformationsraum der ‚Sprachen‘ von Objekten, auch über die Frühe Neuzeit hinaus. Worte, Bilder und Dinge werden dabei im Rahmen materieller Ökologien untersucht, die auf Intermedialität beruhen. Objekte – seien sie fragil wie Talismane und Reliquien oder stabil wie architektonische Artefakte – werden als Archive der Dissonanz betrachtet, in ihren jeweiligen Dynamiken von Mobilität und Sedimentation sowie in ihrer Wirksamkeit in Raum und Zeit. Kleidung, Textilien und Papierartefakte werden im Kontext fortwährender (Re-)Übersetzungsprozesse des Göttlichen und des Sakralen analysiert – zwischen sinnlicher Erfahrung und distanzierter visueller Betrachtung, unter Berücksichtigung von Affordanz-Effekten, Momenten der Einstimmung (attunement) sowie sich wandelnden Situationen von Verlassenheit und Verfall ebenso wie von Aufwertung und Umnutzung (Upcycling). |