| Kommentar |
Die griechischen und lateinischen Romane der römischen Kaiserzeit bieten (nahezu) alles: Liebe auf den ersten Blick, Erotik, Eifersucht, Ehebruch, Landleben, Abenteuer inklusive Reisen in ferne Länder, in den Weltraum, Schiffbruch, Piraten, Räuberbanden, Krieg, Überdosis, Wahnsinn, Eselsverwandlung, Scheinzerstückelung, Sodomie, Magie, Mysterien, Happyends, Parodie, Satire, Science Fiction, Rhetorik, Intertextualität und narrative Komplexität. Während die Romane in der Antike zwar gerne gelesen wurden, aber keine institutionelle Anerkennung und gattungstheoretische Reflexion erfuhren, haben sie spätestens seit byzantinischer Zeit enorme Wirkmacht entfaltet, die Entstehung der wichtigsten Erzählgattung der europäischen Literatur entscheidend mitgeprägt und wurden besonders seit dem 17. Jahrhundert intensiv literarisch, musikalisch und künstlerisch rezipiert. Berühmt ist Alexander Puschkins Bekenntnis seiner Präferenz im Gegensatz zum klassischen Kanon: „Mit Freuden las ich Apuleius, den Cicero, den las ich nicht“. Erhalten sind im Lateinischen neben den Apuleischen Metamorphosen (auch bekannt als Der goldene Esel) – mit der eingefügten Erzählung von Amor und Psyche – außerdem Petrons Satyrica, im Griechischen fünf Liebesabenteuerromane, aus denen Longos‘ Daphnis und Chloe durch die bukolische Prägung und Heliodors Aithiopika durch eine extrem raffinierte Erzähltechnik herausragen, sowie die Wahren Geschichten Lukians mit einer Reise zum Mond. Wir werden diese höchst verschiedenartigen Texte (in Auszügen) in deutscher Übersetzung lesen, um ihre narrative Struktur nachzuvollziehen und die Funktion(en) der Romane im Kontext ihrer Entstehung mit besonderem Blick auf die Bedeutung der Abenteuer zu verstehen. Die Texte werden zweisprachig zur Verfügung gestellt. Wer vorab den einen oder anderen Roman lesen möchte, kann folgende Ausgabe online günstig erwerben, die alle antiken Romane (nur) in deutscher Übersetzung enthält: B. KYTZLER (Hrsg.). Im Reich des Eros: Sämtliche Liebes- und Abenteuerromane der Antike. 2 Bände. Düsseldorf 2001.
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