Das Seminar soll in Lukian und den Diskurs über Schriftsprache in der Kaiserzeit einführen. Wir wollen drei Texte des großen Ironikers Lukian lesen: den Pseudologista (51 M.), in dem Lukian sich gegen den Vorwurf eines Timarchos wehrt, er habe das Wort ‚apophras‘ (‚wovon man nicht sprechen sollte‘) falsch verwendet, die sog. Lis consonantium (16 M.), eine herrliche Parodie auf Gerichtsreden, in der der Konsonant Sigma den Konsonanten Tau wegen des Diebstahls von Worten verklagt (verhandelt wird vor dem Gericht der Vokale); und schließlich den Lexiphanes (46 M.): Hier redet in einem ps.-sokratischen Dialog ein Lykinos mit einem Lexiphanes (‚der, der die Wörter offenbart‘) über dessen neues Werk. Dieses soll eine Verbesserung des platonischen Symposions nach attizistischen Regeln sein (!).
Dies sind typisch lukianische Texte, die wegen ihres satirischen Gehalts unterhaltsam sind, aber wenig gelesen werden. Sie bieten die Möglichkeit, einen Blick in die Debatte über den Attizismus in der Zweiten Sophistik zu werfen, und sind ein hervorragender Ausgangspunkt, um über die griechische Sprache nachzudenken und die Erbschaft des Attizismus, mit der auch wir noch zu tun haben. Voraussetzung für den Seminarbesuch sind ausreichende griechische Sprachkenntnisse.
Texte aus M.D. MacLeod, Luciani Opera, vol. I, III, OCT, Oxford 1972, 1980.
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