Politische Verschwörungen und waghalsige Raubzüge, Giftmörderinnen und grausame Feldherren – Verbrechen und die Menschen, die sie begehen, sind in der lateinischen Literatur über alle Genres und Epochen hinweg omnipräsent. Dabei sind Kriminalnarrative nicht nur spannend oder schreckenerregend, sondern geben uns Auskunft über Machtstrukturen und Moralvorstellungen, Selbstverständnis und kulturelle Verwerfungen einer Gesellschaft.In dieser Übung wollen wir uns intensiv mit Texten verschiedener Genres (Rhetorik, Historiographie, Roman) und Autoren (u.a. Cicero, Tacitus, Apuleius) beschäftigen, in deren Zentrum ganz unterschiedliche Verbrecher*innen und Verbrechen stehen. Dabei werden wir unter anderem folgenden Fragen nachgehen: Wie werden kriminelle Figuren charakterisiert? Wie werden intertextuelle und intergenerische Anspielungen (aus Philosophie, Epos, Komödie etc.) eingesetzt? Welche Rollen werden marginalisierten Gruppen (Frauen, Versklavten, Armen) zugeschrieben? Wo liegen Gemeinsamkeiten und grundsätzliche Differenzen zu heutigen Vorstellungen von Verbrechen?Der methodische Fokus liegt auf dem Close Reading, der genauen sprachlichen Analyse und Interpretation ausgewählter lateinischer Passagen, die wir im weiteren Kontext der Werke (in lateinisch-deutscher Parallellektüre) besprechen und mit historisch-soziologischer und literaturwissenschaftlicher Forschungsliteratur vertiefen. In Exkursen werden wir uns mit antiken und modernen Rechts- und Strafvorstellungen sowie der römischen Kultur als Schauplatz moderner Kriminaltexte beschäftigen.
Die Teilnahmeleistung besteht in einem kurzen Essay (Verschriftlichung eines Close Readings) sowie der Vor- und Nachbereitung und aktiven Teilnahme. Alle Materialien werden auf Moodle zur Verfügung gestellt.
Für Fragen und Anregungen zu den Inhalten der Veranstaltung bin ich im Vorfeld gerne unter sophia.haeberle@hu-berlin.de erreichbar.
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