| Kommentar |
In Ilias und Odyssee begegnen Hunderte von sog. ‚Gleichnissen‘, z.B. von Diomedes (E (V), 84-94): „So mühten die sich ab überall in der starken Schlacht. Vom Tydeussohn aber hättest du nicht erkannt, wo er gerade war ..., denn er wütete durch die Ebene, einem Fluss mit Hochwasser gleichend, im Winter, der in reißendem Strom die Brücken zerfetzte ... So ... gerieten unter dem Druck des Tydeus-Sohns die dichten Schlachtreihen der Trojaner in Verwirrung ...“ Die Dichter vergleichen ihre Helden mit Tieren, mit Bäumen, mit Sternen, mit ‚normalen‘ Menschen usw. Diese kleinen Passagen sind literarische Glanzpunkte der Epen, die uns ein wenig vom heroischen Geschehen ablenken. In diesen Gleichnissen wird z.B. eine unheroische Welt deutlich, z.B. die Arbeit von Hirten oder Armut. Gleichzeitig etablieren diese Gleichnisse weiträumige Referenzmöglichkeiten. Das Seminar dient dazu, einen Zugang zu diesen Texten zu ermöglichen und ihre vielfältigen Funktionen zu bedenken. Beherrschung des homerischen Griechisch ist Voraussetzung. Teilnehmer sollten eine einsprachige Homerausgabe mitbringen.
Literatur: H. Fränkel, Die homerischen Gleichnisse, Göttingen 1921; J. Ready, Character, Narrator, and Simile in the Iliad, Cambridge 2011; J. Ready, “Comparative Perspectives on the Composition of the Homeric Simile,” in: E. Minchin (Hg.), Orality, Literacy and Performance in the Ancient World (Orality and Literacy in the Ancient World 9), Leiden 2012, 55–87; J. Ready, The Homeric Simile in Comparative Perspectives: Oral Traditions from Saudi Arabia to Indonesia, Oxford 2018. |