| Kommentar |
Bitte beachten: Die Veranstaltung findet im Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik (HZK) KURSSAAL statt.
Campus Nord – Haus 3 (Gerlachbau)
Philippstr. 13
10115 Berlin
Die Auseinandersetzung mit anthropologischen, ethnografischen und naturkundlichen Museums- und Sammlungsbeständen, denen sich im Kontext des europäischen Kolonialismus angeeignet wurde, wird in Deutschland seit Mitte der 2010er-Jahre insbesondere unter dem Label „Provenienzforschung“ betrieben. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde der Begriff vorrangig im Zusammenhang mit der Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut verwendet, bei der die Prüfung der derzeitigen Besitzverhältnisse auf ihre Rechtmäßigkeit im Vordergrund steht. Aus der Beschäftigung mit Beständen aus kolonialen Kontexten entwickelte sich innerhalb relativ kurzer Zeit das Arbeitsfeld der „postkolonialen Provenienzforschung“. Zu den zentralen Elementen dieser „ethnologisch gewendeten“ Provenienzforschung gehören die Vernetzung mit Personen aus den Herkunftsregionen der heutigen „Museumsobjekte“, die kritische Auseinandersetzung mit Sammlungsdokumentation und Provenienzangaben, die meist nur die europäische Perspektive spiegeln, sowie die Reflexion von europäischen Begrifflichkeiten, Vorgehensweisen und Konzepten, zum Beispiel Vorstellungen von Besitz und Eigentum, des Dingverständnisses wie auch die Bevorzugung schriftlicher Überlieferungen.
Das Seminar bietet eine praxisnahe Einführung in das Arbeitsfeld der postkolonialen Provenienzforschung. Im Seminar werden die Entwicklung des Forschungsfelds nachgezeichnet und die Herausforderungen im Umgang mit den unterschiedlichen Sammlungsbeständen aufgezeigt. Die Studierende lernen Methoden und Praktiken der Provenienzforschung kennen und üben den Umgang mit Quellen des kolonialen Archivs und deren kritische Befragung. Im Rahmen eigener Objektstudien erhalten die Studierenden zudem die Möglichkeiten die vorgestellten Herangehensweisen eigenständig anzuwenden und zu erproben. |
| Literatur |
Barnstorf Brandes, Marlena et. al.: Koloniale Provenienzen erforschen. Abschlussbericht des Projekts „Provenienz von kolonialzeitlichen Sammlungen aus Togo im Museum für Völkerkunde Dresden und im GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig”. Berlin: Humboldt-Universität zu Berlin, 2023.
Förster, Larissa: Plea for a More Systematic, Comparative, International and Long-Term Approach to Restitution, Provenance Research and the Historiography of Collections. In: Museumskunde 81/1 (2016): 49–54.
Förster, Larissa/Edenheiser, Iris/Fründt, Sarah/Hartmann, Heike (Hrsg.): Provenienzforschung zu ethnografischen Sammlungen der Kolonialzeit. Positionen in der aktuellen Debatte. Berlin: Humboldt-Universität zu Berlin, 2018.
Grimme, Gesa: Systemizing Provenance Research on Objects from Colonial Contexts. Museum & Society, 18/1 (2020): 52–65. |