| Kommentar |
Gewalt ist ein nahezu unüberschaubares Phänomen. Ethnographische Forschungen, die häufig auf teilnehmende Beobachtung, narrative Interviews und andere qualitative Methoden zurückgreifen, beschränken sich oft auf empirisch zugängliche Untersuchungen. In dem Seminar widmen wir uns der Auseinandersetzung mit „Gewalt als analytisches Problem” der Anthropologie (vgl. Jaganathan 1998) und stellen uns die Frage: Was ist Gewalt? Was benötigen wir, um Gewaltformen holistisch „erforschen” zu können? Wie navigieren wir durch Konfliktfelder (vgl. Gerharz 2017) und welche Limitationen hat die Gewaltforschung? Hierzu lesen wir empirische, methodologische und theoretische Texte, die sich mit Gewalt sowie widerständigen und solidarischen Kämpfen dagegen auseinandersetzen. Ziel ist es, Verflechtungen, Ambivalenzen und Herausforderungen zu diskutieren. Es wird Lektüre auf Deutsch und Englisch aus verschiedenen thematischen und regionalen Kontexten geben, unter anderem zu Landenteignung indigener Bevölkerungen und Extraktivismus in Lateinamerika, Vertreibung, Flucht und Krieg in Bezug auf Tamil:innen in Sri Lanka und in der Diaspora sowie Ausbeutung, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland und Europa. |