| Kommentar |
Ethnographie ist eine „produktive Instanz“. Aktiv und konstruktiv bildet sie Wirklichkeit nicht einfach ab, sondern zeitigt unterschiedliche Effekte. Je nachdem, wie sie „gemacht sind“, er- möglichen unterschiedliche Ethnographien sehr verschiedene Einsichten. Immer intervenieren sie auch in unterschiedlichem Ausmaß und mit ganz heterogenen Stoßrichtungen in die Alltagswelten, in denen Ethnograph*innen arbeiten und in denen die Menschen leben, die sie beschreiben. Das Seminar setzt sich mit grundlegenden Selbstverständnissen ethnographischen Forschens in der Europäischen Ethnologie/Kulturanthropologie auseinander. Es ermöglicht das Nachdenken und Diskussionen über die Praxis gegenwartsorientierter Ethnographie und Kulturanalyse, vor allem über die Wechselwirkungen und Verknüpfungen zwischen Theorie und empirischen Methoden, die Konstruktion von Forschungsdesigns, die Möglichkeiten und Grenzen kollaborativen bzw. engagierten Forschens. Die Seminarlektüre besteht erstens aus diskursiv-reflexiven Texten, die die Bedingungen der Wissensproduktion im Forschungsprozess behandeln und Fragen nach der Spezifik, Relevanz und Logik von empirischer Forschung im Fach Europäische Ethnologie stellen. Zweitens diskutieren wir nochmals grundlegende kulturtheoretische Texte in ihren Bezügen zu Ethnographie und Kulturanalyse. Drittens lesen wir ethnographische Beispielsuntersuchungen, die die methodische Phantasie anregen und die es erlauben, über die sich verändernden Bedingungen von Feldforschung in der Gegenwart nachzudenken.
Ethnography is a "productive instance". It does not simply reproduce reality, but produces different effects. Depending on how they are "made", different ethnographies enable very different insights. They always intervene - to different extents and in different ways - in the everyday worlds in which ethnographers work and in which the people they describe live. This seminar deals with some of the fundamental disciplinary understandings of ethnographic research in European Ethnology/Social and Cultural Anthropology and, particularly, their dynamic critique, revision and transformation during the last decades. It enables reflection and discussion on the practice of contemporary ethnography and cultural analysis, especially on the interactions and links between theory and empirical methods, the transformation of ethnographic research and representation, as well as the possibilities and limits of collaborative or engaged research. The seminar readings consists, firstly, of reflexive texts that deal with the conditions of knowledge production in the research process and pose questions about the specificity, relevance and logic of ethnographic research. Secondly, we discuss fundamental texts of cultural theory in their relation to ethnography and cultural analysis. Thirdly, we read sample ethnographic studies that stimulate methodological imagination and allow us to reflect on the changing conditions of field research in the present. |