Das Seminar nimmt Forschungsevaluationen im Kontext von Fragen nach der Steuerung der Wissenschaft in den Blick und fragt nach lokalen und transnationalen Ausprägungen von Forschungsevaluationen und ihren Steuerungsmechanismen. Evaluationsverfahren sind historisch ein zentraler Prozess der Selbstverwaltung und Qualitätssicherung der Wissenschaft, wie zum Beispiel die gegenseitige Bewertung durch Fachkolleg:innen in peer-review Verfahren. In den letzten Jahrzehnten spielen Evaluationen vermehrt eine zentrale Rolle in der kompetitiven Finanzierung von Wissenschaft: wer z.B. in Begutachtungsverfahren als „exzellent“ bewertet wird, wird mit Finanzierung belohnt.
Forschungsevaluationen unterscheiden sich sowohl in ihren Verfahren, wie beispielsweise Bewertungen, die auf Metriken – z.B. der Messung von Publikationsaktivität einer Person oder Organisation – oder peer-review – der Begutachtung durch Fachkolleg:innen, beruhen. Zum anderen werden Forschungsevaluationen nicht nur zur Verteilung von Fördergeldern herangezogen, sondern dienen auch der Legitimation von Förderentscheidungen, sowie der Kontrolle von evaluierten Akteuren. Auf einer systemischen Ebene ergeben sich darüber hinaus Unterschiede in der Konstellation von Akteuren der Forschungsevaluation: gibt es eine zentrale Instanz, oder eher viele verschiedene Organisationen, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, das Forschungsministerium und verschiedene Stiftungen. Letztlich unterscheiden sich Forschungsevaluationsregime in ihren Programmen und unterliegenden Narrativen: geht es um Exzellenz, die sich im Wettbewerb zeigt, um „impact“, um imperiale Herrschaft oder um wirtschaftliche Innovation?
Das Seminar nimmt den Nexus von Wissenschaft und Evaluationen aus einer global vergleichenden Perspektive in den Blick und diskutiert sowohl verschiedene nationale als auch transnationale Forschungsevaluationssysteme. Im Zuge dessen wird zunächst der historische Kontext von Forschungsevaluationssystemen besprochen, bevor differenzierende Aspekte und verschiedene Kontexte diskutiert werden.
Das Seminar richtet sich an Studierende aller Fächer, die über Fragen der Evaluation und Steuerung von Wissenschaft nachdenken wollen und setzt ein Interesse an nicht-europäischen Kontexten, sowie die Bereitschaft dazu, wissenschaftliche Texte auf englischer Sprache zu lesen, voraus.
Das Seminar wird für den MA Sozialwissenschaften geöffnet, Studierende, die die Veranstaltung als Lektüreseminar besuchen, können mit einer Hausarbeit abschließen.
Die Veranstaltung ist für Studierende aller Fächer offen. Die Veranstaltung kann nur für Studierende des Instituts für Bibliotheks- und Informationswissenschaft vom Prüfungsbüro verbucht werden. Alle anderen Studierenden müssten vorab klären, ob das zuständige Prüfungsbüro die Veranstaltung anerkennt/anrechnen wird
Die Veranstaltung wurde 2 mal im Vorlesungsverzeichnis WiSe 2025/26 gefunden: