Jan Brueghel der Ältere (1568–1625), Sohn von Pieter Brueghel d. Ä. und jüngerer Bruder von Pieter Brueghel d. J., spezialisierte sich in seiner Heimatstadt Antwerpen spätestens 1596 auf Naturdarstellungen im weitesten Sinne: Landschaften, Blumenstillleben, Blumenkranzmadonnen.
Seine oftmals kleinformatigen Bilder zeichnen sich durch ein hohes Maß an Detailtreue und Präzision aus, was sich technisch in den zahlreichen Ölgemälden auf Kupfer manifestiert, die möglicherweise nicht zum distanzierten Betrachten an der Wand, sondern zum Interagieren und Berühren konzipiert wurden.
Während seiner ausgedehnten Aufenthalte in Rom und Mailand traf er nicht nur auf Mathijs und Paul Bril – und damit eine Generation neo-stoischer Naturmaler, welche die Landschaftsmalerei im italienischen Raum zu dieser Zeit dominierten –, sondern auch auf den Kardinal und späteren Erzbischof von Mailand Federico Borromeo, der eine enge Korrespondenz mit Justus Lipsius, dem damaligen Hauptvertreter der christlichen Neo-Stoik, unterhielt.
In Federicos Auftrag schuf Jan Brueghel d. Ä. seine erste vollkommen autonome Waldlandschaft (heute Pinacoteca Ambrosiana). Auch die Neuschöpfung eines künftig enorm erfolgreichen Genres, der sogenannten Blumenkranzmadonna, wird in der Forschung auf den fortwährenden engen Austausch der Beiden zurückgeführt.
Im Jahre 1606 wurde Jan zum Hofmaler von Erzherzog Albert von Österreich und der Infantin Isabella von Spanien ernannt, die in Brüssel eine Menagerie kultivierten, welche dem Antwerpener Maler mit Modellen für seine oftmals hochpräzisen Tierdarstellungen versorgt haben dürfte. Jan Brueghel d. Ä. bewegte sich damit zwischen den Welten des Antwerpener Bürgertums, des römischen Klerus posttridentinischer Prägung sowie des spanischen Hochadels. Seine höchst heterogenen Auftraggeber einte das Interesse an Naturdarstellungen in einer Ära, die in den Literatur- und Geschichtswissenschaften als „Lipsius Moment“ bezeichnet worden ist. Brueghels Naturdarstellungen sind dabei nicht als „naturalistische“ Augentäuschungen und bloße „Abbilder der Wirklichkeit“ zu verstehen, sondern als naturphilosophische Werke neo-stoischer Prägung, wie u.a. Leopoldine Prosperetti (2009) verdeutlicht hat.
Das Seminar wird sich den Pflanzen-, Tier- und Landschaftsdarstellungen von Jan Brueghel d. Ä. zuwenden, unter besonderer Berücksichtigung von Perspektiven des ecocriticism sowie der plant und animal studies. |