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Elisabeth von Thüringen - Detailseite

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Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer 5210075Ü
Semester SoSe 2021 SWS 2
Rhythmus jedes Semester Moodle-Link  
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfrist - Eine Belegung ist online erforderlich Zentrale Frist    01.03.2021 - 07.04.2021   
Veranstaltungsformat Digital

Termine

Gruppe 1
Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
Di. 16:00 bis 18:00 wöch     findet statt     20
Gruppe 1:
Zur Zeit keine Belegung möglich


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Scheuer, Hans Jürgen , Prof. Dr.
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät, Institut für deutsche Literatur
Inhalt
Kommentar

In hoher Schlagzahl bringt die Kirche des 13. Jahrhunderts neue Orden und neue Heilige hervor. Während des IV. Laterankonzils von 1215 erkennt Innozenz III. die fratres minores der Franziskaner an, 1216 den Predigerorden der Dominikaner. Nur zwei Jahre nach seinem Tod wird Franz von Assisi 1228 heiliggesprochen, Dominikus von Caleruega wenig später im Jahre 1234. Beide Orden und ihre Gründer stehen für die Ausbildung neuer kommunitärer, monastisch regulierter Lebensformen im Zeichen der Armut.
Dazwischen schiebt sich eine dritte bemerkenswerte Gestalt: Elisabeth, Tochter des ungarischen Königs, thüringische Landgräfin und zugleich radikale Anhängerin der Armutsbewegung. Nach ihrer Verstoßung vom Thüringer Hof und nach der Isolation von ihrer Familie durch ihren Beichtvater gründet sie aus eigenen Mitteln ein Hospital in Marburg unter dem Patronat des Heiligen Franziskus, in dem sie als Hospitalschwester und Büßerin vita activa und vita contemplativa zu einem eigenen Modell zusammenführt. Auch sie wird bald nach ihrem frühen Tod (1231) im Alter von 24 Jahren kanonisiert: 1235 schließt Papst Gregor IX. das Verfahren ihrer Heiligsprechung ab. Ohne von einem der Bettelorden exklusiv getragen zu werden, breitet sich der Elisabeth-Kult rasant in ganz Europa aus.
Dabei irritiert Elisabeths Lebensbild auf der ganzen Linie: Sie verhält sich weder in ihrem dynastischen Umfeld als kindliche Verlobte, junge Gattin, Mutter dreier Kinder und Frau im Witwenstand wie eine Hochadlige noch gleicht sie in ihren Frömmigkeitspraktiken einer mulier religiosa, der als fürstlicher Witwe nur ein Rückzug ins Kloster, als ungeweihter Hospitalschwester aber allein das Leben einer Begine offen gestanden hätte. Für ihre bis dato beispiellose weibliche Lebensform muss eine eigene Formel geprägt werden: soror in saeculo.
Das SE möchte jener Prägung und ihren Implikationen en detail nachgehen, um ihren Prozess und ihr Nachleben unter der leitenden Frage zu analysieren: Wie stellt sich die fortgesetzte Suche nach Wahrheit im Inkommensurablen und Beispiellosen einer solchen neuen Lebensform text- und mediengeschichtlich dar? Denn Kanonisation und Kult Elisabeths von Thüringen sind nicht einfach Folge heiligmäßiger Weltabgewandtheit und Tugendhaftigkeit – im Gegenteil: Weder unbefleckte Jungfräulichkeit noch übermäßiger Gehorsam zeichnen die Mutter und eigensinnige Verfechterin des Armutsideals aus. Ihre überragende Wirkung geht vielmehr auf ein komplexes Ineinander widersprüchlicher Strebungen zurück: Wie wird eine junge Frau im fürstlichen Stand zur künftigen Heiligen präpariert? Welche Rolle spielen dabei selbstgewählte Askese oder Disziplinierung durch die prekären Gemeinschaften mit Ludwig IV. als ehelichem und Konrad von Marburg als spirituellem Partner? Wie nähern sich Augenzeugenprotokolle und Gutachten Elisabeths Beispiellosigkeit an? Welche literarischen Strategien der Materialsammlung, Kompilation und Komposition sichern und steuern in Vita (bei Caesarius von Heisterbach, Dietrich von Apolda, im 'Passional' und 'Sente Elsebede Leben', bei, Johannes Rothe, Mathes Maler), Predigt (Meister Eckhart, 'Paradisus animae intelligentis') und Sagenbildung (Wartburgkrieg, Klingsor von Ungerland) die Arbeit der Erinnerung an die Heilige bzw. die Transformationen ihrer Aktualität? Wie schaffen und inszenieren Architektur, heilige Objekte und Bildnisse (Skulptur, Glas- und Tafelmalerei) Zeugnisse des Ungreifbaren? Wie überdauert der neue Heiligkeitstyp institutionelle und medientechnische Umbrüche: die Rivalitäten der Orden um Memoria und Deutungshoheit, den Übergang vom Manuskript- zum Druckzeitalter oder die Aneignung Elisabeths durch die bürgerliche Kultur bis in die Moderne, wo das Heilige ins Symbolische oder Psychologische bzw. Psychopathologische verlagert wird (Richard Wagner, Elisabeth Busse-Wilson)? Das Feld des Elisabethlebens soll so als Modell der medialen Genese einer Pathosformel betrachtet werden.

Literatur

Elisabeth von Thüringen – eine europäische Heilige. 2 Bde. Hg. v. Dieter Blume u. Matthias Werner. Petersberg 2007.

Bemerkung

LV wird synchron per Videokonferenz angeboten.

Strukturbaum

Die Veranstaltung wurde 1 mal im Vorlesungsverzeichnis SoSe 2021 gefunden:

Humboldt-Universität zu Berlin | Unter den Linden 6 | D-10099 Berlin