AGNES -
Lehre und Prüfung online
Studierende in Vorlesung
Anmelden

Nationalsozialismus, Antisemitismus, Rassismus als Gegenstand der deutschen Rechtswissenschaft und rechtlicher Diskurse nach 1945 - Detailseite

  • Funktionen:
Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Veranstaltungsnummer 10632
Semester SoSe 2020 SWS 2
Rhythmus keine Übernahme Moodle-Link https://moodle.hu-berlin.de/course/view.php?id=93516
Veranstaltungsstatus Freigegeben für Vorlesungsverzeichnis  Freigegeben  Sprache deutsch
Belegungsfrist Es findet keine Online-Belegung über AGNES statt!
Veranstaltungsformat Keine Angabe

Termine

Gruppe 1
Tag Zeit Rhythmus Dauer Raum Raum-
plan
Lehrperson Status Bemerkung fällt aus am Max. Teilnehmer
Di. 16:00 bis 18:00 wöch Kommode - 139A Bebelplatz 2 (BE 2) - (Unterrichtsraum)        
Gruppe 1:
 


Zugeordnete Person
Zugeordnete Person Zuständigkeit
Lembke, Ulrike, Professorin, Dr.
Studiengänge
Abschluss Studiengang LP Semester
Staatsex./ 1.Jurist.Prfg.  Rechtswissenschaft Hauptfach ( POVersion: 2008 )   6 - 6 
Zuordnung zu Einrichtungen
Einrichtung
Juristische Fakultät
Inhalt
Kommentar

Die deutsche Rechtswissenschaft hat sich lange sehr schwer getan, ihre eigene Rolle in der Zeit zwischen 1933 und 1945 zu reflektieren. Die in Gerichten, Verwaltungen, Ämtern und juristischen Fakultäten zu beobachtende personelle Kontinuität verzögerte die notwendige „Aufarbeitung“ oder „Vergangenheitsbewältigung“ teils um Jahrzehnte. Während einerseits die absolute Ablehnung des Nationalsozialismus zum unverhandelbaren Grundkonsens deutscher Rechtswissenschaft und Rechtsdiskurse wurde, begannen juristische Professionen und Institutionen erst in diesem Jahrhundert, sich ernsthaft ihrer Vergangenheit im Nationalsozialismus zu stellen.

Das große Schweigen hinter dem Bekenntnis gegen den Nationalsozialismus führte zu problematischen Zugriffen auf Phänomene des Antisemitismus und Rassismus, für die es keine Stunde Null in Deutschland gab. Adenauers Entscheidung gegen eine große Koalition und für die Zusammenarbeit mit der Deutschen Partei brachte für mehr als ein Jahrzehnt auch aktive Holocaust-Leugner in Regierungsverantwortung. In den 1950er Jahren erschütterte eine Welle „antisemitischer Vorfälle“ die junge Bundesrepublik, auf die am Ende mit der Einführung des Straftatbestands der Volksverhetzung reagiert wurde. Doch bis heute zeigen sich in Rechtswissenschaft wie rechtlichen Diskursen erhebliche Schwierigkeiten, Antisemitismus und rassistische Diskriminierung zutreffend rechtlich zu erfassen.

Hintergrund dieser konzeptionellen Schwierigkeiten scheint zum einen die Vorstellung zu sein, dass Antisemitismus oder Rassismus einen Bezug zum Nationalsozialismus aufweisen müssten – wobei dem auch ein sehr spezifisches Bild von Nationalsozialismus zugrunde liegt -, zum anderen eine nicht unerhebliche Ignoranz gegenüber aktueller Forschung zu Antisemitismus und Rassismus. Begriffe wie Alltagsrassismus oder anti-muslimischer Rassismus finden kaum Niederschlag in juristischen Diskursen und auch einige Beiträge in Debatten um racial profiling zeugen von wenig transdisziplinärer Professionalität.

Das Seminar widmet sich der Frage, wie der Nationalsozialismus nach 1945 in der deutschen Rechtswissenschaft thematisiert wurde und insbesondere, wie die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte der Rechtswissenschaft und anderer juristischer Professionen und Institutionen erfolgte. Wer brach das Schweigen, bevor die wesentlichen Protagonisten verstorben waren, und wie reagierte der juristische Diskurs darauf? Ferner soll beleuchtet werden, wie sich Rechtswissenschaftler*innen nach 1945 mit Antisemitismus befasst haben und wie heute rassistische Diskriminierung und Recht hiergegen konzeptionalisiert werden. Bezieht sich die deutsche Rechtswissenschaft in der Thematisierung von Antisemitismus und Rassismus auf den Nationalsozialismus und ist dies produktiv? Und inwieweit sind neuere Konzepte von Rassismus (bspw. Kulturalismus, Okzidentalismus) bekannt und werden verarbeitet oder in Beziehung gesetzt?

Bemerkung
Das Seminar richtet sich an Studierende der Rechtswissenschaften im 
Schwerpunkt 2 und Schwerpunkt 1. Erwartet werden die Teilnahme an allen 
Terminen, die vorbereitende Lektüre juristischer und theoretischer Texte 
und die Bearbeitung von Leseaufgaben sowie in Gruppenarbeit die 
vertiefte Befassung mit den Texten und Themen eines Seminartermins, um 
diesen Termin zu gestalten, und schließlich die aktive Beteiligung an 
den Diskussionen. 
Anmeldung bis Semesterbeginn per E-Mail an Frau Erstenyuk unter sekretariat.lembke@rewi.hu-berlin.demit Angabe Ihres Namens, Matrikelnummer, Studiengang und –semester und zwei Sätzen, warum Sie das Seminar interessiert. Hinweis: Auf Grund des erhöhten Betreuungsaufwands in der digitalen Lehre (und gegen Semesterende – hoffentlich – auch auf Grund der Raumsituation) ist die Zahl der Plätze beschränkt.

 

Prüfung

Vorausgehende Studienarbeit, anschließende Studienarbeit; mündliche Prüfung

Strukturbaum

Keine Einordnung ins Vorlesungsverzeichnis vorhanden. Veranstaltung ist aus dem Semester SoSe 2020. Aktuelles Semester: WiSe 2020/21.
Humboldt-Universität zu Berlin | Unter den Linden 6 | D-10099 Berlin